Studie: Autofahren ist viel zu billig – müssen die Steuern rauf?

25. Februar 2013 - 19:36 Uhr

Folgen des Autofahrens kosten 88 Milliarden Euro im Jahr

Neben Staus und Schlaglöchern ist es DAS Hassthema der deutschen Autofahrer: die hohen Kosten durch Mineralöl- und Kfz-Steuer. Doch eine Studie der TU Dresden hat herausgefunden, dass der Staat durch die Steuern viel weniger einnimmt, als er für die Folgen des Autofahrens in Deutschland ausgeben muss. Für die Autoren der Studie im Auftrag der Grünen im Europaparlament ist klar: Autofahren ist zu billig, die derzeitigen Preise "lügen".

Studie: Autofahren ist viel zu billig – müssen die Steuern rauf?
Die Blechlawinen in Deutschland werden immer länger - doch zahlen die Verursacher für die Folgen des Autofahrens auch ausreichend?
© dpa, Julian Stratenschulte

"Je Pkw liegen die nicht bezahlten Kosten bei ungefähr 2.100 Euro pro Jahr", sagte der Autor der Studie, Prof. Udo J. Becker. Pro Fahrkilometer fehlen demnach etwa 15 Cent, den nicht die Verursacher tragen. Zu den vom Steuerzahler oder den Krankenkassen getragenen externen Kosten zählt er die Folgen von Unfällen, Lärm, Abgasen, Boden- und Wasserverschmutzung, Klimaschäden oder Umweltbeeinträchtigungen durch Natur- und Landschaftsverbrauch. Diese Folgekosten des Autofahrens in Deutschland summieren sich demnach auf 88 Milliarden Euro. Zum Umsteuern forderte Becker "weniger lügende Preise" fürs Autofahren.

Müssen also Mineralöl- und Kfz-Steuer erhöht werden? Das stößt in der Branche erwartungsgemäß auf heftigen Widerstand, der Mineralölwirtschaftsverband spricht sich klar dagegen aus. "Schon heute trägt der Autofahrer die höchste Bundessteuer", sagte Hauptgeschäftsführer Klaus Picard der 'Bild'.

Autobranche: Steuereinnahmen in Studie nicht ausreichend berücksichtigt

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) wies die Ergebnisse der Studie wegen "unrealistischer Annahmen" zurück. Der VDA kritisierte, Methodik und Annahmen der Studie seien "so gewählt, dass die Umwelt- und Unfallkosten des Autoverkehrs extrem hoch ausfallen". Ignoriert würden zudem die von den Autofahrern entrichteten Steuern und Abgaben von jährlich rund 50 Milliarden Euro, von denen nur etwa 15 Milliarden Euro der Straße zugutekämen. Die Differenz von 35 Milliarden Euro müsse seriöserweise mit den externen Kosten verrechnet werden.

Die Grünen sehen sich durch die Expertise - sie beleuchtet die Folgekosten des Autoverkehrs in allen 27 EU-Ländern - bestätigt. Aus den "falschen Kostenansätzen" ergäben sich falsche Prioritäten beim Ausbau der Verkehrsinfrastruktur: Die Schiene werde zu niedrig, die Straße dagegen zu hoch bewertet, sagte der Grünen-Abgeordnete und Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Anton Hofreiter.

Er forderte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) auf, die Daten aus der Studie im neuen Verkehrswegeplan zu berücksichtigen und bei den Investitionen umzusteuern. Nach den Worten Hofreiters wird die Forderung nach einer Pkw-Maut nicht im Grünen-Wahlprogramm stehen. Die von Ramsauer und der CSU angestrebte Vignetten-Lösung kritisierte er als "sozial ungerecht und ökologisch blind". Die Grünen peilen eine Ausweitung der Lkw-Maut an.