Ein Gen ist Schuld

Wann sich entscheidet, ob man gut in Mathe wird oder nicht

Forscher sind sicher: Ein Gen beeinflusst unsere Mathe-Skills.
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28. Oktober 2020 - 10:05 Uhr

Neue Studie: Was bewirkt das Mathe-Gen?

Die einen wollen nicht zu Mathe gehn, die anderen haben das Mathe-Gen. Denn bis zu 20 Prozent unserer mathematischen Skills könnten laut einer neuen Studie auf das ROBO1-Gen zurückzuführen sein. Aber auch die Umwelt jedes Menschen spielt eine Rolle. Das haben Michael Skeide vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig und weitere Forscher untersucht.

Kinder über mehrere Jahre untersucht

Für ihre Studie haben die Wissenschaftler 178 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren untersucht. Zuerst galt es festzustellen, ob sie ein sogenanntes Mathe-Gen in ihrem Erbgut haben. Dann wurde das Volumen an grauer Hirnsubstanz verglichen. Einige Jahre später mussten die Kinder standartisierte Mathetest absolvieren.

Graue Hirnsubstanz sind Anteile im Zentralnervensystem.Viele dichte Ansammlungen von grauer Substanz sind in der äußeren Schicht des Gehirns zu finden. Der Bereich ist vor allen fürs Lernen, Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Denkvorgänge zuständig. Also all das, was einem in der Mathematik hilft. Daher kommt im übrigen auch das Sprichwort, man solle doch mal seine grauen Zellen anstrengen.

Ein Fünftel der Mathe-Begabung durch Gen verursacht

Durch die Tests kamen die Forscher zum Ergebnis, dass Kinder mit dem sogenannten ROBO1-Gen ein höheres Volumen an grauer Hirnsubstanz haben, und zwar in einem Areal, das mit der mathematischen Fähigkeit verknüpft ist. Die entsprechenden Kinder schnitten auch in Mathetests im zweiten Schuljahr besser ab als andere ohne das ROBO1-Gen.

Die Forscher schreiben: "Unsere Studie deutet darauf hin, dass bis zu einem Fünftel der mathematischen Fähigkeiten durch dieses Gen und die von ihm verursachten Volumenunterschiede im rechten parietalen Cortex [Anm. d Red. ein Bereich der Großhirnrinde] erklärt werden können."

Wechselspiel zwischen Genen und Umwelt

Die Grundlage dafür, ob wir Mathe-Asse sind oder nicht, liegt demnach also in unserem Erbgut und ist somit schon in früher Kindheit festgelegt. Aber das Forscherteam spricht von einem "komplexen Wechselspiel von Genen und Umwelt". Denn hat ein Mensch schon in der Kindheit ein ausgeprägtes Mathezentrum im Gehirn, ist damit noch nicht die Karriere als Mathe-Genie vorherbestimmt. Erst durch die gezielte Förderung durch Eltern und Schule kann sich die Begabung entfalten – denn das Gehirn muss wie Muskeln trainiert werden, um seine volle Leistung ausschöpfen zu können.