Medizinjournalist Dr. Christoph Specht ordnet ein

Studie aus China: Brillenträger erkranken seltener an Corona

Die Brille auf der Nase schützt möglicherweise vor einer Corona-Infektion.
© dpa, Frank Rumpenhorst, fru rho

18. September 2020 - 17:58 Uhr

Medizin-Experte hält Zusammenhang für möglich

Sind Brillenträger besser vor einer Infektion mit dem Corona-Virus geschützt? Ärzte in China haben jedenfalls in einer Studie beobachtet, dass auffallend wenige ihrer Covid-Patienten Brillenträger waren. Sie vermuten: Brillentragen könnte vor Ansteckungen schützen, weil man sich weniger in die Augen fasst. Medizin-Experte Dr. Christoph Specht hält den Zusammenhang für nachvollziehbar.

Studie von chinesischen Ärzten

Ärzten im Krankenhaus von Suizhou, einer Stadt in der zentralchinesischen Provinz Hubei, fiel seit Beginn der Corona-Pandemie auf, dass ungewöhnlich wenige der dort behandelten Covid-Patienten Brille trugen. Ein Mediziner-Team um den Arzt Yiping Wei startete eine Studie und zählte nach: insgesamt gab es 276 Corona-Patienten im Krankenhaus von Suizhou. Deren durchschnittliches Alter betrug 51 Jahre. Lediglich 16 davon, also rund sechs Prozent, trugen täglich mindestens acht Stunden lang eine Brille. Die Brillenträger waren zudem deutlich jünger, nämlich durchschnittlich 33 Jahre.

Anteil der Brillenträger unter Covid-Patienten auffallend niedrig

Dr. Christoph Specht arbeitet im Bereich der Präventionsmedizin
Dr. Christoph Specht ist Arzt für Präventionsmedizin
© Privat

Die chinesischen Ärzte fanden durch Vergleich mit älteren Studien heraus, dass der Anteil der Kurzsichtigen – von denen zumindest viele eine Brille tragen dürften – in der Bevölkerung der Provinz Hubei mindestens 31,5 Prozent betragen müsste. Das bedeutet, dass verhältnismäßig wenige Brillenträger unter den Corona-Infizierten sind.

Das Team um Yiping Wei vermutet daher, dass eine Brille ihren Träger davon abhält, sich in die Augen zu fassen, und so die Übertragung des Corona-Virus verhindert. Die Forscher zitieren Studien, wonach Menschen sich normalerweise rund zehn Mal pro Stunde mit der Hand an die Augen fassen. Haftet das Corona-Virus an der Hand, kann man sich so infizieren.

Für Präventionsmediziner Dr. Specht ist Zusammenhang nachvollziehbar

Medizin-Experte Dr. Christoph Specht hält den Schutz durch Brillentragen für nachvollziehbar:

"Es ist eine sehr kleine Studie. Es ist plausibel, kein ausreichender Beweis, aber ein Hinweis, dass es so sein könnte. Denn man weiß schon lange, dass das Coronavirus die Schleimhäute als Eintrittspforte in den Körper benutzt, also auch an den Augen."

Das Tragen der Brille kann dabei auf zwei Arten schützen, da das Corona-Virus auch in ausgeatmeten Aerosolen und in Tröpfchen lauert, die beim Sprechen, Niesen oder Husten ausgestoßen werden.

"Zum einen gelangen Aerosole und Tröpfchen durch die Brille nicht so leicht an die Augen, zweitens fassen sich Brillenträger seltener an die Augen, sie tun es aber dennoch auch hin und wieder", erklärt Dr. Specht.

Nicht an Augen, Nase oder Mund fassen!

Wie groß ist überhaupt die Gefahr der Corona-Ansteckung über die Augen im Vergleich zu anderen Infektionswegen wie Mund- oder Nasenschleimhäuten? Das lässt sich laut Dr. Specht nicht sicher sagen: "Hinterher weiß man nur, dass der Patient sich infiziert hat. Aber ich weiß dann nicht, welche Pforte das Virus genommen hat."

Egal, ob Sie Brille tragen oder nicht – denken Sie einfach daran, sich möglichst nicht an Nase, Mund oder Augen zu fassen. Zusammen mit Anstandsregeln und Hygienemaßnahmen können Sie so das Ansteckungsrisiko verkleinern.