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Studie: AfD schürt systematisch Angst vor Ausländern

Einseitige Berichte über Gewalttaten

Studie: AfD schürt systematisch Angst vor Ausländern

Wahlkampfauftakt der AfD Brandenburg vor Landtagswahl
Eine Studie zeigt, dass die AfD systematisch Angst vor kriminellen Zuwanderern verbreitet.
christoph soeder kde, dpa, Christoph Soeder

Forscher untersuchten Pressemeldungen der AfD zu Gewalttaten

Die AfD schürt systematisch Angst vor Zuwanderern – das ist das Ergebnis einer Studie von Medienforschern aus Hamburg und Leipzig. „Überraschend ist, wie konsequent das geschieht“, sagten die Professoren Thomas Hestermann und Elisa Hoven in der „Kriminalpolitischen Zeitschrift“ . Die AfD ist anderer Ansicht.

AfD stellt ausländische Täter in den Fokus

Die Wissenschaftler untersuchten Pressemitteilungen der Partei aus dem Vergangenen Jahr. Dabei fiel ihnen auf, dass die AfD vor allem die Gewaltdelikte in den Fokus rückt, die von Syrern, Afghanen und Irakern verübt werden. So erzeuge die Partei ein verzerrtes Bild von der Realität. Denn ein Blick in die Kriminalstatistik zeigt ein ganz anderes Bild.

„Soweit die AfD bei Tatverdächtigen die Nationalität nennt, sind dies zu 95 Prozent Ausländer, nur zu 5 Prozent Deutsche“, erklärte Hestermann. Und selbst wenn von deutschen Tatverdächtigen die Rede war, habe die AfD in den meisten Fällen betont, dass diese einen Migrationshintergrund hätten oder ihr Beitrag zur Tat nur gering gewesen sei. Tatsächlich liegt der Anteil der nicht-deutschen Verdächtigen laut Kriminalitätsstatistik bei weniger als 35 Prozent.

Die Kriminalitätsstatistik sieht anders aus

Macht die AfD also bewusst Stimmung gegen kriminelle Ausländer? Nein, meint die Partei auf RTL.de Anfrage. Der Anteil der ausländischen Verdächtigen - der laut Kriminalstatistik bei 35 Prozent liegt - sei in Verbindung zu setzen "zu der Tatsache dass die Ausländer nur ca. 10 Prozent der Bevölkerung stellen", teilte Gottfried Curio, Innenpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion mit. "Sie sind also etwa drei bis vier Mal so häufig kriminell", erklärte er.

Laut statistischem Bundesamt lag der Ausländeranteil der Gesamtbevölkerung 2018 allerdings bei 12,2 Prozent. Das würde bedeuten, dass Ausländer nicht drei bis vier Mal so häufig kriminell werden wie Deutsche, sondern nur 2,8 Mal so oft.

Vor allem eine Gruppe ausländischer Täter ist für die AfD offenbar besonders interessant. „Die in Deutschland lange und zahlreich lebenden Ausländer werden nicht thematisiert: Im Untersuchungszeitraum gibt es keinen einzigen Verweis auf polnische oder italienische Tatverdächtige. Fokussiert wird vielmehr auf Zuwanderer aus Syrien, Afghanistan und Irak“, erklären die Autoren der Studie. Tatsächlich machen diese Gruppen aber nur einen kleinen Prozentsatz in der Kriminalstatistik aus, nämlich 5,2 Prozent.

Auch das sieht die AfD anders. Syrer in Deutschland würden rund drei Mal häufiger kriminell werden als Deutsche, Afghanen sogar fünf Mal häufiger. Zumindest diese Angaben lassen sich mit Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen.

Explosion des Verbrechens?

AfD-Abgeordneter Curio meint außerdem, dass des für "verschiede Deliktbereiche eine Steigerung von Straftaten mit tatverdächtigen Zuwanderern im Vergleich von 2014 zu 2018" gebe. Das sei zum Beispiel bei Mord und Totschlag, sexuellen Übergriffen und Körperverletzung der Fall. Da werde die "dramatische Verschlechterung der Sicherheitslage" deutlich.

Die Autoren der Studie sind anderer Ansicht: Die von der AfD „vielfach prognostizierte Explosion des Verbrechens“ sei nicht eingetreten. „In den vergangenen zehn Jahren ist die polizeilich erfasste Kriminalität um 9,1 Prozent zurückgegangen und erreicht geringere Zahlen als vor 2015“, heißt es in der Studie. Mit gezielten Meldungen über dramatische Einzelfälle würde die Partei aber einen gegenteiligen Eindruck erzeugen.

Die AfD werfe Medien vor, Ausländerkriminalität zu unterschlagen, so die Medienforscher. Die Wissenschaftler kommen aber zu einem gegenteiligen Ergebnis. „Die größte Lücke liegt in der Wahrnehmung deutscher Tatverdächtiger“, so die Autoren der Studie.