Studie: 26 Millionen Minderjährige in der EU von Armut bedroht

Besonders junge Menschen leiden unter den Folgen der Wirtschaftskrise in der EU.
© dpa, Hendrik Schmidt

28. Oktober 2015 - 15:27 Uhr

Vor allem die jungen Menschen leiden unter der Finanzkrise

Die größten Verlierer der Schulden- und Wirtschaftskrise in der Europäischen Union sind Kinder und Jugendliche. Zu diesem Ergebnis kam eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung zur sozialen Gerechtigkeit. 26 Millionen Minderjährige seien von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht, ermittelten die Wissenschaftler. Das sind fast 30 Prozent aller unter 18-Jährigen in der EU. Besonders erschreckend: Weit über fünf Millionen jungen Menschen haben kaum Zukunftsperspektiven, da sie weder Arbeit noch Ausbildungsplatz finden.

Der 'Social Justice Index' untersucht die soziale Gerechtigkeit und Entwicklung in allen 28 EU-Staaten anhand von 35 Kriterien. Deutschland belegt trotz großer volkswirtschaftlicher Kraft nur den siebten Platz. Trotzdem konnte die Bundesrepublik ihren Indexwert in den letzten Jahren etwas verbessern.

Spitzenreiter, was soziale Gerechtigkeit angeht, bleibt Schweden. Griechenland hingegen fällt weit zurück. Die Autoren der Studie bemängeln daher nicht nur eine wachsende Kluft zwischen Alt und Jung, sondern auch ein Nord-Süd-Gefälle innerhalb der EU. Für die Staaten im Süden Europas mit hoher Jugendarbeitslosigkeit mahnt die Stiftung weiter Strukturreformen an. "Dort kommen viele hochqualifizierte nicht auf dem Arbeitsmarkt an. Der Übergang von der Bildung in den Job funktioniert nicht", sagt Daniel Schraad-Tischer, Experte der Bertelsmann-Stiftung.

"Wir können uns eine verlorene Generation in Europa weder sozial noch ökonomisch leisten. Die EU und ihre Mitgliedstaaten müssen besondere Anstrengungen unternehmen, um die Chancen junger Menschen nachhaltig zu verbessern", meint auch Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung.

Positiv wurde die gute Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt und die niedrige Jugendarbeitslosigkeit bewertet. Die Forscher bemängeln allerdings einen zu großen Anteil von atypischen Beschäftigten in Deutschland. Diese Menschen seien trotz Vollzeitjob von Armut bedroht wegen befristeten Verträgen und niedrigen Löhnen.

Bei der Generationengerechtigkeit hat sich die Bundesrepublik im Vergleich zu 2014 sogar von Rang 10 auf 15 verschlechtert. So müssen bei den unter 18-Jährigen etwa fünf Prozent mit schweren materiellen Entbehrungen leben. Bei den über 65 Jahren alten Bundesbürgern sind es nur 3,2 Prozent. Auch beim Bildungszugang beklagt die Bertelsmann-Stiftung in Deutschland einen zu starken Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg.