Streit um Zwangs-Quarantäne für Ebola-Helfer in den USA

27. Oktober 2014 - 19:43 Uhr

"Man hat mir die Grundrechte genommen"

In den USA ist ein Streit um die Zwangs-Quarantäne für heimkehrende Ebola-Helfer entbrannt. Auch die Regierung von Präsident Barack Obama habe große Bedenken gegen diese Maßnahmen und habe dies den Gouverneuren der Bundesstaaten New York und New Jersey, Andrew Cuomo und Chris Christie, mitgeteilt, so die 'New York Times'.

Streit um Zwangs-Quarantäne für Ebola-Helfer in den USA
US-Präsident Barack Obama hat Bedenken wegen der Zwangs-Quarantäne für heimkehrende Ebola-Helfer.
© dpa, Pool

"Man hat mir die Grundrechte genommen", sagt US-Krankenschwester Kaci Hickox, die nach ihrem Einsatz in Sierra Leone in New Jersey unter Zwangs-Quarantäne gestellt wurde, obwohl zwei Bluttestes ergaben, dass sie den Ebola-Virus nicht im Körper hat. Laut der Zeitung will sie nun klagen. Sie sei nach der Ankunft erst stundenlang verhört und dann in einem Zelt vor der Uniklinik Newark untergebracht worden, schilderte sie dem Sender CNN. Dort soll sie 21 Tage ausharren. Drei Wochen entsprechen der höchstmöglichen angenommenen Inkubationszeit für die Erkrankung.

Zuvor waren Besorgnisse laut geworden, dass eine solche Isolation bei der Rückkehr Ärzte und Pfleger aus den USA davon abhalten könnte, Ebola-Kranken in Westafrika dringend nötige Hilfe zu leisten. Außerdem hatte sich eine Krankenschwester, die nach ihrem Einsatz in Sierra Leone als erste in New Jersey den neuen Vorschriften zufolge in Zwangsquarantäne geschickt wurde, heftig darüber beschwert, wie mit ihr umgegangen worden sei.

Cuomo und Christie hatten die Maßnahmen für ihre Bundesstaaten verfügt und verteidigten sie am Sonntag erneut damit, dass derzeitige Regeln auf Bundesebene nicht ausreichten. Die neue Vorschrift gilt für Personen, die auf dem Flughafen JFK in New York oder dem Newark Liberty International Airport im benachbarten New Jersey landen. Zwei weitere Bundesstaaten, Illinois und Florida, wollen nach Medienberichten dem Beispiel folgen.

Ebola-Verdacht bei Fünfjährigem

Die Washingtoner Regierung stehe in Konsultationen mit den Gouverneuren New Yorks und New Jerseys, um eine Modifizierung der Vorschriften zu erreichen, hieß es in der 'New York Times'.

Tatsächlich lockerte der New Yorker Gouverneur Cuomo nach Angaben der Zeitung am späten Sonntagabend die Regeln. Nunmehr können Menschen, die keine Symptome zeigten, zu Hause in Quarantäne bleiben und sie erhielten eine Entschädigung für entgangenes Einkommen. Nach der Ankündigung von Cuomo teilte auch der Gouverneur von New Jersey, Christie, mit, dass Bewohner seines Bundesstaates zu Hause bleiben könnten, wenn sie keine Symptome zeigten.

Indes wurde bekannt: Ein fünfjähriger Junge, der am Samstag aus Guinea in New York eingetroffen ist, hat laut US-Medienberichten zufolge Ebola-Symptome. Das Kind liege derzeit auf einer Isolierstation und habe 39 Grad Fieber, sei aber noch nicht auf das Virus getestet worden, berichtete der TV-Sender ABC unter Berufung auf Vertreter des Gesundheitsdienstes.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte am Samstag mitgeteilt, dass mittlerweile insgesamt mehr als 10.100 Menschen an der Seuche erkrankt und über 4.900 davon gestorben seien. Experten gehen zudem weiterhin von einer hohen Dunkelziffer aus.