Streit um 'Südlink': So verläuft die 800 Kilometer lange Stromtrasse durch Deutschlands Mitte

08. Februar 2014 - 19:42 Uhr

"Wir sind startbereit"

Die Betreiber haben den konkreten Vorschlag für den Verlauf des so genannten 'Südlinks' vorgestellt, eine Stromtrasse, die Windstrom von Schleswig-Holstein nach Süddeutschland transportieren soll. Doch der Widerstand gegen das größte Netzausbauprojekt der Energiewende ist groß.

Streit um Stromtrasse "Südlink": Verlauf der Trasse vorgestellt
Tennet-Geschäftsführer Lex Hartman stellt den Verlauf des 'Südlinks' vor.
© dpa, Daniel Naupold

Mit dem Vorschlag für die Stromtrasse durch Deutschlands Mitte startet die heiße Phase des Netzausbauprojekts. Wie die Betreiber Tennet und TransnetBW mitteilten, könnte der 'Südlink' wir folgt verlaufen: Von Wilster bei Hamburg aus an Verden/Aller vorbei, zwischen Hannover und Lehrte durch, vorbei an Hildesheim. Danach geht es an Höxter, Warburg (NRW) und Kassel vorbei. Von dort an Bad Hersfeld vorbei Richtung Süden, um Fulda passierend in das bayerische Grafenrheinfeld zu münden. Der zweite Abschnitt soll von Brunsbüttel nach Großgartach in Baden-Württemberg führen.

"Wir sind startbereit", sagte Tennet-Geschäftsführer Lex Hartman. Jetzt gehe es um den Dialog mit den Bürgern über den Trassenverlauf. Die als Gleichstromverbindung geplante Trasse ist eine "elektrische Autobahn ohne Abfahrten", so Hartmann. Die Masten sollen 60 bis 70 Meter hoch sein, man habe schon geschaut, "wie sieht die Natur aus, wo wohnen die Menschen".

Massive Proteste

Laut Betreiber Tennet ist diese Stromtrasse notwendig, um das Nord-Süd-Gefälle bei der Stromversorgung durch erneuerbare Energien auszugleichen. Außerdem müsse die Stilllegung mehrerer Atomkraftwerke kompensiert werden. Die Alternative wären hochsubventionierte neue Gaskraftwerke im Süden - und mit vielen Milliarden Euro geförderter Windstrom im Norden, der keine Abnehmer hätte.

Bei der geplanten Trasse handelt es sich um das größte und längste Netzausbauprojekt der Energiewende. Bis zum Jahr 2022 soll eine insgesamt 800 Kilometer lange Gleichstromverbindung von Schleswig-Holstein nach Süddeutschland entstehen, um Windstrom hierhin zu transportieren. Das Projekt besteht laut Bundesbedarfsplangesetz aus zwei Verbindungen: Die Verbindung von Wilster bei Hamburg nach Grafenrheinfeld in Bayern sowie die Verbindung von Brunsbüttel in Schleswig-Holstein nach Großgartach in Baden-Württemberg. Letztere ist die Haupttrasse, der so genannte 'Südlink'.

Das Projekt soll eine Übertragungskapazität von bis 4.000 Megawatt haben. Es soll, salopp gesprochen, Deutschlands größte Stromautobahn werden. Wenn das nächste Haus nur 200 bis 300 Meter entfernt ist, kann die Leitung auf einzelnen Abschnitten als Erdkabel verlegt werden. 2013 hatten Bundestag und Bundesrat das Bundesbedarfsplangesetz beschlossen, das insgesamt 36 Netz-Projekte umfasst. Neben dem Neubau großer Trassen geht es auch um die Optimierung bestehender Strecken. Als Gesamtkosten werden mindestens zehn Milliarden Euro veranschlagt. Wenn die Leitungen als Erdkabel verlegt werden, wird es teurer werden.

Doch der Widerstand in der Bevölkerung ist groß. In Bayern haben sich Protestbündnisse mit Namen wie "Bürger gegen Strommonstertrasse" gebildet. Es gehe nicht nur um den Schutz für den Menschen, sondern auch für die betroffene Tierwelt, Pflanzen und Naturparks. Zudem gebe es kaum Untersuchungen zur möglichen Gesundheitsgefährdung der neuen Gleichstrom-Technik. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat sich an die Spitze der Gegenbewegung gestellt. Seehofer sieht durch die geplante Ökostrom-Reform von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) mit einer Drosselung gerade des Windausbaus die Planungen als überholt an. Aus Sicht der Bayern muss geschaut werden, ob die neuen Netze nicht überdimensioniert sind.

Tennet-Geschäftsführer Hartman kritisierte: "Wenn wir die Energiewende haben wollen, brauchen wir diese Netze." Es gebe eine gesetzliche Verpflichtung, München und Berlin müssten sich einigen. Vorerst warte man daher mit dem Start des Dialog-Prozesses über den "Südlink"-Trassenverlauf. Sonst werde mit viel Geld geförderter Ökostrom produziert, der nicht abtransportiert werden könnte, so Hartman. Es droht sich das Grundproblem der Energiewende durchzusetzen: Laut Umfragen steht eine deutliche Mehrheit der Bürger hinter dem Projekt. Sobald aber persönliche Interessen betroffen sind, regt sich Protest.