Streit um Qualifying-Modus beigelegt: Die Formel 1 wird vernünftig - und hört auf die Fans

Fans, Formel 1
Die Rückkehr zum alten Quali-Format zeigt, dass die Stimmen der Formel-1-Fans doch nicht ungehört bleiben.
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Ein Kommentar von Daniel Grochow

Nach wochenlangen Querelen hat sich die Formel 1 für eine Rückkehr zum alten Qualifying-Modus entschieden - ein Akt mit Signalwirkung. Denn dieses lang ersehnte Ende im Machtkampf zwischen den Bossen und den Rennställen ist nicht nur gut für den Motorsport, sondern vermittelt auch eine klare Botschaft: Die Stimme der Fans bleibt nicht ungehört.

Es war ein Theater, das man in der Formel 1 lange nicht mehr erlebt hat. Über mehrere Wochen diskutierten die Protagonisten über den Qualifying-Modus, der zu dieser Saison eingeführt worden war. Das von den Rennställen befürchtete Desaster bewahrheitete sich sowohl beim Australien-GP als auch zwei Wochen später in Bahrain, in dem die gesamte Session zur Farce verkam - und sich die Formel 1 lächerlich gemacht hat.

Die 'Reise nach Jerusalem', bei der nach einer kurzen Einführungsphase jeweils der langsamste Fahrer im 90-Sekunden-Takt ausgeschieden war, erwies sich sogar als der dümmste Einfall, den sich die Regelhüter hätten ausdenken können, um den Sport wieder spannender zu machen. Viele Piloten stellten einfach ihre Autos ab, um die Reifen zu schonen, nach hektischen Frühphasen jedes Abschnitts folgte minutenlange Leere auf der Strecke. Einzig die Mercedes-Piloten fuhren in Q3 noch ernsthaft um die Pole Position. Kurzum: Der neue Modus bewirkte genau das Gegenteil des ursprünglichen Plans.

Logische Folge: Die Fahrer gingen auf die Barrikaden, die Teamchefs wüteten, doch all das brachte nichts. Bernie Ecclestone als Chefpromoter der Königsklasse und FIA-Präsident Jean Todt weigerten sich, zum alten Modus zurückzukehren. Vor allem der Franzose kämpfte bis zuletzt um den Erhalt des neuen Formats. Welch ein Irrsinn! Bereits der peinliche Auftakt in Melbourne hatte doch bewiesen, dass die neue Form des Qualifyings den Sport kaputt macht und so, was noch viel schlimmer ist, die Zuschauer verprellt werden.

Hoffnungsschimmer für die Formel 1

In den sozialen Netzwerken war der Aufschrei nach dem Australien-GP schon groß. In den vergangenen zwei Wochen entlud sich immer mehr der Frust der Fans, die schon lange befürchten, dass sich die Formel 1 irgendwann tot reglementiert hat - und davor auch noch einen Affentanz veranstaltet, den neutrale Beobachter nur noch mit dem Kopf schütteln lässt.

Zur Erinnerung: Vor Beginn der Saison hatte sich die Informationslage zum neuen Qualifying täglich geändert. Erst hieß es, die Umsetzung zur Änderung komme "möglichst zum Saisonstart", dem widersprach Ecclestone, weil die nötige Software noch nicht fertig sei, letztendlich lenkte der Brite doch ein. Die Fortsetzung ist bekannt.

Nach all dem Theater haben Ecclestone und Todt nun endlich eingelenkt, im Sinne des Sports, wie die FIA und die FOM in einer gemeinsamen Mitteilung erklärten. "Im Interesse der Weltmeisterschaft" akzeptiere man dem "einstimmigen Wunsch der Rennställe, der schriftlich eingereicht worden ist". Ecclestone und Todt "reichen daher den Vorschlag nach einer Rückkehr zum Qualifikationsformat von 2015 an die Formel-1-Kommission sowie an den Motorsport-Weltrat weiter".

Weil diese beiden Gremien die Entscheidung abnicken werden - schließlich kann sich die Formel 1 nicht noch weiter bis auf die Knochen blamieren -, ist das Einlenken von Ecclestone und Todt ein Hoffnungsschimmer. Erstens haben sie erkannt, dass diese Entscheidung nur im Sinne des Sports ist, und zweitens, dass sie die Grundsäule dieses Sports nicht verlieren dürfen: die Fans. Die Stimme der Zuschauer, die sich Eintrittskarten kaufen und den Fernseher einschalten, bleibt nicht weiter ungehört. Das ist die beste Nachricht seit langem für Menschen, denen die Formel 1 am Herzen liegt.