Streit um Peers Finger: "Klartext braucht nicht immer Worte"

"Die Geste verbietet sich als Kanzlerkandidat"

Endlich Dampf im Wahlkampf – oder zumindest ein bisschen Rauch. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sagt mal nichts, trotzdem wird darüber diskutiert. Er hat einfach den Stinkefinger gezeigt, unter Autofahrern ein mittlerweile etabliertes Zeichen gegenseitiger Geringschätzung.

Peer Steinbrück zeigt den Stinkefinger
"Klartext braucht nicht immer Worte (...).", schrieb SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück via Twitter.
dpa bildfunk (Alfred Steffen, Süddeutsche Zeitung Magazin)

In dem Ohne-Worte-Interview 'Sagen Sie jetzt nichts', ein Klassiker des 'Süddeutsche Zeitung Magazins', drückte Steinbrück so seine Geringschätzung über ihn geringschätzende Spitznamen aus. Die konkrete Frage an den 66-Jährigen lautete: "Pannen-Peer, Problem-Peer, Peerlusconi - um nette Spitznamen müssen Sie sich keine Sorgen machen, oder?"

Und kaum den Finger gezeigt, kommt die Kritik aus den Reihen der FDP. Prompt spricht ihm der politische Gegner die Kanzlerfähigkeit ab. Gesundheitsminister Daniel Bahr meinte bei Twitter: "Das kann doch wohl nicht der Stil eines Bundeskanzlers sein." FDP-Chef Philipp Rösler sagte: "Die Geste verbietet sich als Kanzlerkandidat. So etwas geht nicht."

War das nach den Tritten in diverse Fettnäpfchen nun der finale Griff ins Klo? Steinbrück verteidigte die Geste – und hofft auf den Humor der Menschen im Land. "Da werden einem Fragen gestellt, die man übersetzt in Gebärden, in Grimassen, in Emotionen", sagte Steinbrück am Rande einer SPD-Kundgebung in München über die besondere Interviewform des Magazins. "Das schauspielert man dann. Und ich hoffe, dass die Republik auch den Humor hat, dann diese Grimassen und diese Gebärdensprache bezogen auf die Fragen richtig zu verstehen." Und Steinbrück hat mit besagter Geste niemanden aus den Reihen der politischen Gegner beleidigt. Die Frage bezog sich auf ihn.

"Das muss ja wohl noch erlaubt sein"

Laut des Magazins wollte Steinbrücks Sprecher die Stinkefinger-Pose ursprünglich nicht freigeben - aber Steinbrück habe gemeint: "Nein, das ist okay so". Steinbrücks Sprecher Rolf Kleine wollte sich dazu bislang nicht näher äußern - er betonte aber, dass die Fotos im Rahmen eines ironischen Formats entstanden sein. "Das muss ja wohl noch erlaubt sein." Die Bilder seien bereits vor rund einem Monat entstanden - man sei über die Veröffentlichung rund eine Woche vor der Wahl im Bilde gewesen.

SPD-Parteichef Sigmar Gabriel nahm den Kanzlerkandidaten in Schutz: "Peer Steinbrück hat in einem ironischen Foto-Interview auf ironische Art Emotionen gezeigt", sagte Gabriel via Twitter. Auf die Frage, ob er gewusst habe, dass das Magazin dieses Foto auf den Titel nehmen wolle, sagte Steinbrück: "Nein."

Während Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ihre zur Raute geformten Hände zum Markenzeichen erkoren hat, sorgt Steinbrück nun jedenfalls mit einer etwas anderen Gestik für Schlagzeilen. Er inszeniert sich damit einmal mehr anders als die anderen. Ob das witzig oder stillos, wichtig oder nebensächlich ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Steinbrück selbst meinte via Twitter: "Klartext braucht nicht immer Worte. Zum Beispiel wenn man ständig auf olle Kamellen, statt auf wirklich wichtige Fragen angesprochen wird." Wiederholt hatte er kritisiert, ob das Land nicht wichtigere Probleme habe, als aufgeregte Debatten über angebliche Fehltritte von ihm.

Auf Twitter gibt es mittlerweile den Account 'Peers Finger', ein Gegenpart zu 'Schlandkette'. Die 'Bild' rief die große Twitter-Schlacht aus. 'Peers Finger' schrieb "One Mittelfinger to rule the nation", noch diskutiert die Nation, so wie vor mittlerweile knapp 20 Jahren, 1994, über Stefan Effenberg. Der flog für den ausgestreckten Mittelfinger damals aus der Nationalmannschaft.