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Streit um Klarnamenpolitik: Facebook soll Pseudonyme zulassen

Streit um Klarnamenpolitik: Facebook soll Pseudonyme zulassen

Pseudonyme, Facebook, Datenschutz
Geht es nach Datenschützern ist bald Schluss mit der Klarnamenpolitik auf Facebook: Auch Pseudonyme sollen erlaubt sein.
dpa, Jens Wolf

Neue Debatte um Datenschutz

Es ist erst ein paar Jahre her, als die ersten deutschen Internet-Nutzer Communitys für sich entdeckten. In Foren und Chats erstellten sie sich um die Jahrtausendwende Profile – allerdings selten mit ihrem echten Namen. Pseudonyme wie 'LittleKitty' oder 'Sonnenkind76' eroberten das Internet. Doch mit dem Boom des sozialen Netzwerkes Facebook ging der Hang zu Phantasienamen bei vielen verloren. Vor allem aufgrund der Geschäftsbedingungen des US-Konzerns, denn Facebook verfolgt die Klarnamenpolitik, die es untersagt sich mit Pseudonymen anzumelden. Datenschützer fordern mehr Anonymität beim größten Online-Netzwerk.

So setzt sich der Datenschutzbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, dafür ein, dass sich alle Nutzer des nördlichsten Bundeslandes statt der Angabe echter Informationen zu ihrer Person auch unter einem Pseudonym registrieren können. Die Klarnamenpolitik von Facebook verstößt laut Weichert gegen das deutsche Telemediengesetz.

Doch Facebook kontert: Es liege in der Hand der Dienstleister, Geschäftsbedingungen bezüglich Anonymität festzulegen. "Wir sind der Ansicht, dass die Verfügungen vollkommen unbegründet und eine Verschwendung deutscher Steuergelder sind." Facebook werde energisch dagegen vorgehen. Das Unternehmen agiere konform mit europäischen Datenschutzbestimmungen, betonte ein Sprecher. "Facebook hat schon immer eine Klarnamenpolitik verfolgt, weil wir glauben, dass die Verwendung der wahren Identität eine bestimmte Sicherheit mit sich bringt, und dass unsere Nutzer von dieser Sicherheit profitieren."

Konsequenzen für die User?

Weichert gab Facebook und der für Europa zuständigen irischen Tochter zwei Wochen Zeit, seine Forderungen zu erfüllen. Ansonsten sollen sie jeweils 20.000 Euro zahlen. Facebook-Konten, die nur wegen fehlender Informationen gesperrt wurden, müssten wieder zugänglich gemacht werden. Außerdem müsse in Deutsch über die Möglichkeit einer Registrierung unter Pseudonym informiert werden.

Doch welche Konsequenzen ergeben sich aus der Debatte für den User? Der milliardenschwere US-Konzern weist zwar bei der Anmeldung darauf hin, dass man sich mit seinem richtigen Namen anmelden soll. Allerdings ist es weiterhin möglich mit einer eigens kreierten Email-Adresse auch mit einem Pseudonym Facebook zu nutzen.

Vorsicht ist lediglich bei "falschen Freuden" geboten. Facebook hatte bereits vor einiger Zeit dazu aufgerufen, jene "Freunde" zu melden, die mit falschen Namen im sozialen Netzwerk unterwegs sind. Mit dem Slogan "Ist das der echte Name deines Freundes?" sollten User zu Spitzeln werden und ihre "Pseudo-Freunde" melden. Angeblich sei dies alles aber nur ein Test, mit dessen Hilfe man Fake-Profilen ein Ende bereiten will. Außerdem bleibe die Antwort anonym und habe keinen Einfluss auf das Profil des Freundes, sagt der US-Konzern.