News
Aktuelle Nachrichten, Schlagzeilen und Videos

Streit um Essener Tafel: Angela Merkel kritisiert Aufnahme-Stopp für Ausländer

Jetzt schaltet sich auch Merkel in den Tafel-Streit ein
Jetzt schaltet sich auch Merkel in den Tafel-Streit ein Essener Tafel will nur noch deutsche Neukunden 01:16

Merkel hofft auf Lösung, die niemanden ausschließt

Die Essener Tafel kommt nicht aus den Schlagzeilen - jetzt schaltet sich auch die Bundeskanzlerin in die Diskussion ein. Angela Merkel kritisierte den geplanten Aufnahme-Stopp für ausländische Neukunden. Im RTL-Interview fand sie klare Worte. Sie ist dagegen, dass Ausländer bei der Essensausgabe ausgeschlossen werden.

Die Kanzlerin sprach sich gegen eine Unterscheidung von deutschen oder ausländischen Bedürftigen aus. "Da sollte man nicht solche Kategorisierungen vornehmen. Das ist nicht gut", sagte sie dem Politischen RTL-Chefkorrespondenten Lothar Keller. "Aber es zeigt auch den Druck, den viele Menschen verspüren und deshalb hoffe ich auch, dass man da auch gute Lösungen findet, die nicht Gruppen ausschließen", erklärte sie weiter. 

Vorsitzender der Essener Tafel denkt über Rücktritt nach

Unbekannte hatten am Wochenende mehrere Fahrzeuge und das Gebäude des Essener Vereins mit Graffiti beschmiert. Sie sprühten offenbar in der Nacht von Samstag auf Sonntag die Worte "Nazis" und "Fuck Nazis" auf insgesamt sechs Wagen und Türen der Essener Tafel. Nach diesem Vorfall erwägt der Vereinsvorsitzende seinen Rückzug.

"Es hat mir hier immer Spaß gemacht. Aber ich habe keinen Bock mehr, man verliert einfach die Lust. Ich bin kurz davor, hinzuschmeißen", sagte der 61-jährige Vereinsvorsitzende Jörg Sartor der 'Bild'. Er wies erneut die Kritik an der Entscheidung der Essener Tafel zurück, viele kritisierten die Entscheidung, ohne es für nötig zu halten, sich zuvor ausreichend mit der Sache auseinandergesetzt zu haben: "Jetzt haut ein Haufen von Politikern auf uns ein, ohne sich zu informieren. Die sollen sich mal her bewegen und vor Ort mitarbeiten - danach können sie sich gerne äußern."

Zu den Nazi-Schmierereien sagte er, er wolle diese zunächst nicht entfernen. "Wir werden das nicht wegmachen. Soll doch jeder sehen, was es für Idioten auf der Welt gibt", sagte Sartor dem Internetportal 'Der Westen'. Wegen der Graffiti-Attacke ermitteln jetzt auch Polizei und Staatsschutz.

Sator engagiert sich seit 13 Jahren bei der Tafel, war wie die anderen 120 Ehrenamtlichen Mitarbeiter mit Leib und Seele Helfer. Nie hätte er damit gerechnet, als Nazi diffamiert zu werden, und hält eine Antwort auf die Beleidigung bereit: "Wenn mich die Leute doof finden, ist das so. Aber es ist eine Schweinerei, unsere Freiwilligen zu diffamieren!"

Essener Tafel mit Nazi-Schmierereien attackiert
Essener Tafel mit Nazi-Schmierereien attackiert Fahrzeuge wurden mit Graffitis besprüht 00:45

Tafel-Entscheidung sorgt für hitzige Debatten

Seit der Essener Entscheidung, vorerst nur noch Neukunden mit deutschem Personalausweis aufzunehmen, reißen die Diskussionen über die Maßnahme nicht ab. Der Hilfsbedürftigen-Verein hatte so entschieden, nachdem dort der Anteil der Migranten zuletzt auf drei Viertel geklettert sei. Ältere Tafel-Nutzerinnen und alleinerziehende Mütter wären dadurch "verdrängt" worden. Dem wolle man entgegen wirken, bis das Verhältnis wieder ausgeglichen sei. Während Sartor von 80 Prozent "positiven Reaktionen" auf die Maßnahme berichtete, hagelte es zum Teil heftige Kritik aus Politik und Sozialverbänden. Sogar der Dachverband 'Deutsche Tafel e.V.' distanzierte sich vom Essener Weg. Das Obdachlosen-Straßenmagazin 'fiftyfifty' wollte Abgewiesenen eine anwaltliche Unterstützung anbieten, da die Tafel so gegen die eigenen Statuten verstoße.

Mehr News-Themen