Streit in der EU: Wird die Zeitumstellung jetzt doch nicht abgeschafft?

09. Oktober 2018 - 14:17 Uhr

In einigen Mitgliedsländern regt sich Widerstand

Das Ergebnis der Abstimmung war eindeutig: Bis zum 16. August konnten alle Bürger der Europäischen Union in einem Online-Fragebogen ihre Meinung äußern. 4,6 Millionen Menschen (davon drei Millionen aus Deutschland) nutzten die Chance – 84 Prozent von ihnen waren der Meinung, dass die Zeitumstellung abgeschafft werden sollte. Doch das könnte doch schwieriger werden als gedacht.

Jean-Claude Juncker will Zeitumstellung bis 2019 abschaffen

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte eigentlich vor, die Zeitumstellung bis 2019 abzuschaffen. Die Mitgliedsstaaten der EU sollten bis April entscheiden, ob sie zukünftig bei der Sommer oder bei der Winterzeit bleiben wollen. Das Drehen an der Uhr zwei Mal im Jahr würde dann einfach wegfallen. Aber in einigen Ländern scheint sich Wiederstand gegen diese Pläne zu regen.

Das Online-Magazin "Politico" berichtete, dass mehrere Mitgliedstaaten sich darüber beschweren würden, dass die Pläne der EU-Kommission nicht ausgereift seien und die einzelnen Länder mit den Aufgaben alleingelassen würden. Die Frist sei zu kurz, um die Abschaffung der Zeitumstellung ohne Probleme umzusetzen. Anstatt zu koordinieren, hätte die EU die Arbeit nun auf die einzelnen Mitgliedsstaaten abgewälzt, lautete die Kritik.

Jedes Land darf selbst entscheiden

Und tatsächlich droht Chaos innerhalb der EU. Denn im März 2019 sollen alle zum letzten Mal verpflichtend die Uhren auf Sommerzeit umstellen. Im Oktober 2019 bliebe es dann jedem Land selbst überlassen, ob es bei der Sommerzeit bleiben oder noch ein letztes Mal zur Winterzeit umstellen möchte. Eine einheitliche EU-Regelung ist nicht vorgesehen.

Innerhalb der EU könnte es dann mehrere Zeitzonen geben. Laut EU-Kommissarin Violeta Bulc tendieren Portugal Zypern und Polen eher zur Sommerzeit, während beispielsweise Finnland, Dänemark und die Niederlande gern die Winterzeit behalten möchten.

Ist die Abschaffungsfrist zu knapp?

Einige Länder fordern darum mehr Zeit. Denn noch sei völlig unklar, wie sich die Abschaffung der Zeitumstellung beispielsweise auf Warentransport oder die Märkte auswirken könnte. Außerdem sei das Ergebnis der Online-Umfrage auch nicht repräsentativ. Während in Deutschland rund drei Millionen Bürger abgestimmt haben, nahmen in Italien gerade mal 20.000 Menschen teil.

Die Diplomaten, die mit "Politico" gesprochen haben, werfen Juncker vor, mit dem Thema so nach vorne zu preschen, weil er bereits im Wahlkampfmodus für die nächste Europawahl im Mai 2019 sei.