Ex-Minister äußert sich zu Vorwürfen

Tönnies-Neffe warnte vor Gabriel-Beratervertrag

Sigmar Gabriel
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06. Juli 2020 - 10:00 Uhr

Robert Tönnies schrieb an einen der Geschäftsführer

Der Beraterjob von Ex-Bundeswirtschaftsministers Sigmar Gabriel beim Fleischkonzern Tönnies war auch innerhalb der Familie und der Führungsspitze des Unternehmens Streitthema. Das geht aus einem Brief vom 26. Februar von Robert Tönnies an die Geschäftsführung der Tönnies-Holding hervor, der RTL vorliegt.

Gabriel: Vorwürfe sind "Quatsch"

 Sigmar Gabriel R, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, zu Besuch bei Clemens Tönnies und Ehefrau Margot in Rheda-Wiedenbrück, am 3.2.2015.  *** Sigmar Gabriel R , Federal Minister of Economics and Energy, visits Clemens Tönnies and his wife Ma
Der damalige Wirtschaftminister Sigmar Gabriel (rechts) zu Besuch bei Clemens Tönnies in Rheda-Widenbrück (Archivfoto, Februar 2015)
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Darin schreibt Robert Tönnies: "Falls der Vertrag noch nicht abgeschlossen wurde, warne ich dringend davor und widerspreche hiermit vorsorglich." Das Engagement ehemaliger Spitzenpolitiker für Unternehmen §führt immer wieder zu unangenehmen Fragen der Öffentlichkeit und in Folge zu einem Imageschaden für das betroffene Unternehmen und den ehemaligen Politiker."

Zudem befürchte er, dass das Honorar für Gabriel als "nachträgliche Belohnung für Vorteile des Unternehmens in der Zeit der Regierungstätigkeit" verstanden werden könne. Außerdem drohe "erheblicher" Schaden, wenn öffentlich diskutiert werde, ob Gabriel "bei der Niederschlagung der Kartellstrafe" geholfen habe, die das Bundeskartellamt 2013 gegen den Fleischunternehmer eingeleitet hatte.

Familienstreit tobt seit Jahren

Der Familienstreit bei den Tönnies um die Vorherrschaft im Unternehmen dauert an. Foto: O. Krato
Clemens und Robert Tönnies.
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Der ehemalige Minister reagierte unterdessen auf die Vorwürfe, er habe das Unternehmen während seiner Amtszeit unterstützt. Das sei "Quatsch", sagte er bei "Bild live", die Vorwürfe seien "an den Haaren herbeigezogen." Gabriel hatte für seine dreimonatige Beratertätigkeit von März bis Mai 10.000 Euro monatlich als pauschales Honorar bekommen.

Robert Tönnies (42) ist der Sohn des verstorbenen Firmengründers Bernd Tönnies. Er ist gemeinsam mit seinem Onkel Clemens (64) Gesellschafter und hält wie er 50 Prozent an dem Unternehmen. Robert und Clemens Tönnies sind seit Jahren zerstritten und uneins in der Frage, wie der Konzern geführt werden solle. Im Juni forderte der Neffe den Rücktritt der vierköpfigen Geschäftsführung, zu der auch sein Onkel Clemens gehört.

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