Streit um Lockdown an Universität Hamburg

Dozenten und Studenten fordern Präsenzunterricht zurück

Blick in einen Hörsaal der Universität Hamburg. Foto: Ulrich Perrey/Archivbild
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05. November 2020 - 7:35 Uhr

Uni Hamburg: Alle Vorlesungen und Seminare nur noch digital

Das Wintersemester hat begonnen und eigentlich sollte es für die Studenten der Uni Hamburg eine Mischung aus digitalem und Präsenzunterricht geben. Doch inzwischen hat das Präsidium der Universität alle Vor-Ort-Veranstaltungen gestrichen. Zum Unmut vieler Dozenten, schließlich sei viel Arbeit in Schutzkonzepte geflossen, schreiben sie in einem offenen Brief. Das Präsidium hält dagegen.

"Das beste Mittel gegen Vereinsamung, Frustration und Stress"

30 Dozenten haben einen offenen Brief verfasst, um ihrem Ärger Luft zu machen. Zusätzlich haben sie eine Online-Petition gestartet. In den vergangenen Monaten sei viel Arbeit in die Erstellung von Hygienekonzepten geflossen: "So sind für Seminare mit 20-30 Teilnehmern Hörsäle mit mehreren Hundert Sitzplätzen geplant worden." Außerdem seien Begegnungen das beste Mittel gegen Vereinsamung, Frustration und Stress.

Kritik kommt auch von den Studenten

Unterstützung bekommen die Dozenten von der Studentengruppe CampusGrün. Sie kritisieren außerdem, dass bei der Entscheidung zum Shutdown nicht einmal der Akademische Senat als höchstes Gremium in die Entscheidung einbezogen worden sei. "Diese Entscheidung zeugt somit eher von einer panischen Simulation von Handlungsfähigkeit als von einer rationalen Abwägung, wie es für eine Universität eigentlich selbstverständlich sein sollte."

Zusätzlich verweisen sie auf Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne): Sie habe noch am Freitag vergangener Woche erklärt, dass auch im Teil-Lockdown so viel Präsenzunterricht wie möglich an den Hamburger Hochschulen stattfinden solle.

Universität verteidigt ihren Entschluss zum Shutdown

Das Präsidium zeigt kein Verständnis für die Kritik. Die Hamburger Corona-Maßnahmen lasse ihnen keinen Spielraum. Außerdem sei der Sinn des für den November von Bund und Ländern vereinbarten Teil-Lockdowns, "den alarmierenden Skalierungsprozess bei den Infektionsraten zu unterbrechen, wozu auch die Hochschulen ihren Beitrag zu leisten haben". Deshalb wurde inzwischen auch der Sportbetrieb an der Uni eingestellt und alle Museen, Sammlungen und Archive geschlossen. Nur die Bibliotheken sollen geöffnet bleiben und Studierenden in begrenztem Umfang Arbeitsplätze bieten.


Quelle: DPA / RTL.de