Streik um Mindestlohn in Kambodscha eskaliert: Polizei erschießt Demonstranten

03. Januar 2014 - 20:08 Uhr

Der Streik fordert seine ersten Opfer

Sie verlangen nur knapp 120 Euro im Monat, damit sie täglich wenigstens eine Mahlzeit zu sich nehmen können. Die protestierenden Textilarbeiter in Kambodscha fordern nicht einmal bessere Arbeitsbedingungen, sondern kämpfen ausschließlich für höhere Löhne.

Kambodscha: Polizei tötet Streikende
Die Polizisten gehen mit äußerster Härte gegen die Demonstranten vor.
© picture alliance / landov, PHEARUM

Nun sind die ersten Protestler ums Leben gekommen. Kaltblütig erschossen. Etwa 200 Militärpolizisten eröffneten mit Sturmgewehren und Pistolen das Feuer auf die Demonstranten, die sich vor einer Fabrik in der Hauptstadt Phnom Penh mit Steinen, Stöcken und Benzinbomben verteidigten. Mindestens vier Arbeiter seien dabei gestorben, heißt es von mehreren Menschenrechtsorganisationen. Mehr als 20 Menschen sind zudem schwer verletzt. "Die Sicherheitskräfte müssen sofort damit aufhören, mit scharfer Munition auf Zivilisten zu schießen", fordert Naly Pilorge, Direktor der Menschenrechtsorganisation 'LICADHO'.

Einschüchterungstaktiken

Die Gewerkschaften haben zu einem landesweiten Streik aufgerufen. Sie fordern mehr Geld für die Beschäftigten der Bekleidungsindustrie, die zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen des südostasiatischen Landes zählt. Sie fordern eine Verdoppelung des Monatslohns, der zur Zeit bei knapp 60 Euro liegt. Die Regierung hat nur 25 Prozent Erhöhung angeboten. Nach zwei Wochen überwiegend friedlicher Streiks, Protestmärsche und Demonstrationen hatten die Sicherheitskräfte erstmals eine Demonstration gewaltsam aufgelöst. Mehrere Menschen wurden dabei verletzt und festgenommen.

Unterstützt werden die Textilarbeiter von der Opposition, die selbst zu Protesten gegen die Regierung aufgerufen hat, weil sie nach ihren Angaben bei der Wahl im Juli um mehr als zwei Millionen Stimmen betrogen worden war. Der seit 28 Jahren autoritär regierende Ministerpräsident Hun Sen sieht sich durch die Demonstrationen, die sich teilweise an der Protestbewegung im benachbarten Thailand orientieren, mit seiner größten politischen Herausforderung seit zwei Jahrzehnten konfrontiert.

"Die Behörden versuchen, mit ihrem harten Vorgehen die Streikenden einzuschüchtern", sagte Kong Athit von der Textilarbeitergewerkschaft. Die Streiks würden jedoch fortgesetzt, bis sich die Regierung zu einer neuen Verhandlungsrunde bereit erkläre.

Zu den westlichen Unternehmen, die in Kambodscha produzieren lassen, zählen neben den US-Konzernen GAP und Nike auch das schwedische Unternehmen H&M, sowie die deutschen Sportartikelhersteller Puma und Adidas. Sie alle lassen ihre Waren zu äußerst günstigen Bedingungen fertigen. Die Löhne in Kambodscha sind noch niedriger als die in China und reichen kaum zum Überleben, weshalb viele Arbeiter in Doppelschichten arbeiten.