Streik legt Deutschland lahm: Verdi will mehr Lohn für Angestellte im Öffentlichen Dienst

27. April 2016 - 15:40 Uhr

Streik soll Druck auf Arbeitgeber erhöhen

Deutschland wird von einer Streikwelle erfasst. In mehreren Bundesländern legen Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes ihre Arbeit nieder. Das hat zur Folge, dass Busse und Bahnen ausfallen und Kitas, Ämter, Kliniken, Jobcenter und Sparkassen geschlossen bleiben. Auch am Flughafen Köln/Bonn geht nichts seinen gewohnten Gang: Das Bodenpersonal verfrachtet kein Gepäck mehr und vereinzelt fallen auch Lufthansa-Flüge aus.

Streik legt Deutschland lahm: Verdi will mehr Lohn für Angestellte im Öffentlichen Dienst
© dpa, Sven Hoppe

Am heutigen Dienstag sind die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bremen, Berlin, Bayern und Baden-Württemberg von Streiks betroffen.

Die Gewerkschaft Verdi fordert Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes in rund 51 Städten und Gemeinden auf, die Arbeit einzustellen. Mit dieser Aktion will Verdi erreichen, dass die Beschäftigten sechs Prozent mehr Lohn erhalten. Auf diese Forderung gingen die Arbeitgeber bei Verhandlungen nicht ein. Das Angebot der Gegenseite bewertet Verdi als regelrechte Provokation. "Das erste Angebot der Arbeitgeber ist ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten. Es bedeutet für das Jahr 2016 ganze 0,6 Prozent und für das kommende Jahr nur 1,2 Prozent mehr Einkommen. Damit setzen die Arbeitgeber, trotz glänzender Kassenlage, auf Reallohnverluste für die Beschäftigten", sagte die Verdi-Landesleiterin Gabrielle Schmidt.

Der Streik sei eine angemessene Reaktion auf das unakzeptable Angebot der Arbeitgeber. "Wir erwarten von den Arbeitgebern, ein ernsthaftes Angebot auf den Verhandlungstisch zu legen, statt weiter mit Provokationen für eine Eskalation zu sorgen", sagte Schmidt weiter.

Streiks im Nahverkehr und an den Flughäfen

Am heutigen Dienstag konzentrierten sich die Streiks vor allem auf Rheinland-Pfalz. Zahlreiche Beschäftigte bei den Stadtverwaltungen stellten nach den Aufruf von Verdi ihre Arbeit ein. Zudem blieben in den pfälzischen Städten heute viele Kitas geschlossen, der Müll wurde nicht abgeholt und die Straßen nicht gereinigt.

Inwieweit der öffentliche Nahverkehr zum Erliegen kommt, ist von Bundesland zu Bundesland und Stadt zu Stadt unterschiedlich.In Düsseldorf, Duisburg, Bochum, Münster sowie weiteren Städten fuhren weder Bahnen noch Busse. In Hannover streiken die Mitarbeiter des öffentlichen Nahverkehrs seit drei Uhr morgens. Erst ab 1.30 Uhr nachts sollen wieder Busse und Bahnen verkehren.

Am Mittwoch, den 27. April, wird der Streik hauptsächlich in Nordrhein-Westfalen fortgesetzt. In Köln fahren ab drei Uhr morgens keine Straßenbahnen mehr, Busse bleiben ebenfalls stehen. Pendler dürfte freuen, dass S-Bahnen und Regionalzüge der Deutschen Bahn in der Rheinmetropole nicht bestreikt werden. In Düsseldorf sollen am Mittwoch nur einzelne Bus- und Bahnlinien ausfallen.

Am Mittwoch sind deutschlandweit sechs Flughäfen von den Streiks betroffen: An den Flughäfen Köln/Bonn, Düsseldorf, Dortmund, Frankfurt, München und Hannover-Langenhagen kann es zu massiven Störungen kommen. Die Airlines Lufthansa und Eurowings kündigten bereits an, dass mehrere Flüge ausfallen oder mit großer Verspätung am Zielort eintreffen. Vom Streik des Flughafenpersonals sind die Sicherheitskontrollen und die Serviceleistungen wie Fracht, Gepäck und Verwaltung betroffen.

Im Gegensatz zu den Kitas sind die Schulen in NRW am Mittwoch für Kinder und Jugendliche geöffnet.