Streik oder Verspätung

Streik am Flughafen: Diese Rechte haben Sie als Betroffener

Auch wenn gestreikt wird und Flüge ausfallen, haben Passagiere Fluggastrechte.
Auch wenn gestreikt wird und Flüge ausfallen, haben Passagiere Fluggastrechte.
© Wilfried Besler (Wilfried Besler (Photographer) - [None], Wilfried Besler

15. Januar 2019 - 7:55 Uhr

Streiks, Verspätungen und Umbuchungen

Massive Verspätungen und Ausfälle sind bei Streiks unvermeidlich. Dennoch müssen Passagiere nicht alles einfach so hinnehmen. Wer seine Rechte kennt, kommt stressfreier durch den Ärger am Flughafen.

Ist mein Flug vom Streik betroffen?

Alle betroffenen Flüge werden auf den Websites der entsprechenden Airlines gelistet. Dort finden sich alle Informationen zu Verspätungen oder Flugausfällen. Sobald der eigene Flug betroffen ist, haben Passagiere die unten aufgelisteten Rechte für den entsprechenden Fall. ​

Im Falle eines Streiks gelten diese Regelungen:

Verspätung
Erst ab einer Verspätung von mindestens fünf Stunden muss die Fluggesellschaft den Ticketpreis erstatten oder gegebenenfalls einen Gratis-Rückflug zum Abflugort anbieten. Ab zwei Stunden hat der Passagier bei Flügen bis zu 1.500 Kilometern Anspruch auf Mahlzeiten und Getränke, Möglichkeiten zum Telefonieren sowie eventuell auf ein Hotel. Bei einer Strecke von 1.500 bis 3.500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden Warten, ab 3.500 Kilometern Flugstrecke nach vier Stunden Wartezeit.

Entschädigung
​Bei Überbuchung, Annullierung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere Anspruch auf eine Entschädigung bis 600 Euro. Allerdings nur, wenn kein "außergewöhnlicher Umstand" vorliegt. Die Lufthansa zählt Streiks aber wie einen technischen Defekt oder schlechtes Wetter zu den außergewöhnlichen Umständen. Eine Entschädigung zahlt sie deshalb nicht. Diese Regelung kann bei jeder Fluggesellschaft anders ausfallen.

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Sie möchten einen anderen Flug?

Umbuchung
Fällt Ihr Flug in die Zeit des Streiks, können Sie sich schon jetzt kostenlos einen anderen Flug mit gleichem Start und Ziel suchen. Die Fluggesellschaften müssen für einen Ersatzflug sorgen.

Stornierung
​Treten Sie wegen des Streiks Ihren bereits gebuchten und bezahlten Flug nicht an, bekommen Sie Ihr Geld zurück. Sie müssen ihn allerdings vorher am Flughafenschalter oder von zu Hause aus stornieren und im Einzelfall Rücksprache mit Ihrer Fluggesellschaft nehmen.

Auch ohne Streik kann vieles schief gehen

Eine Familie reist mit viel Gepäck.
Die Gepäckbestimmungen richten sich nach der Anzahl der Passagiere, dem Ticket und dem Zielland.
© RTL Interactive, romrodinka

Überbuchung
Bekommt der Passagier keinen Platz, weil die Maschine überbucht ist, hat er - abhängig von der Flugdistanz - Anspruch auf Entschädigung. Bis zu einer Strecke von 1.500 Kilometern gibt es 250 Euro, innerhalb der EU und bis zu 3.500 Kilometern 400 Euro und außerhalb der EU sowie bei längeren Strecken sind es 600 Euro. Die Höhe der Entschädigung kann sich verringern, wenn sich die Reise nur um wenige Stunden verzögert. Die gleichen Rechte gelten auch bei Annullierung eines Fluges.

Richtwert fürs Gepäck
​Diese Richtwerte unterscheiden sich je nach Fluggesellschaft. Meist abhängig vom Zielland: Generell gilt: Economy-Passagiere dürfen 20 Kilogramm kostenlos einchecken, in der Business-Class 30 Kilogramm und in der First Class 40 Kilogramm. Die Zahl der Gepäckstücke ist dabei unerheblich, zusätzlich erlaubt ist ein Handgepäck. Auf bestimmten Routen, beispielsweise USA und Kanada richten sich die Regeln nach der Anzahl der Taschen. Hier sind dann nur zwei Gepäckstücke pro Person erlaubt, diese dürfen allerdings jeweils zwischen 23 Kilogramm (Economy) und 32 Kilogramm (Business und First) wiegen.

Können Passagiere auf ihr Recht bestehen?

Rückbestätigung immer besser
Bei Linienflügen eher unüblich, da hier feste Flugzeiten vertraglich festgelegt sind. Urlaubs-Pauschalflüge müssen hingegen häufig bestätigt werden. Dies hat weniger den Grund, Passagiere vor bösen Überraschungen zu bewahren. Vielmehr dient diese Praxis den Veranstaltern dazu, ihre Maschinen optimal auszulasten. Juristisch ist das Thema umstritten. Der ADAC rät, sicherheitshalber trotzdem eine Rückbestätigung zu machen, wenn dies von der Airline verlangt wird.

Aussteigen erlaubt
Solange eine Maschine noch am Gate steht, dürfen Passagiere natürlich wieder aussteigen, wenn sie das wollen und das Ticket verfallen lassen. Sobald der Jet aber rollt, hat der Flug rechtlich gesehen begonnen. Ab jetzt müsste schon Dramatisches passieren, damit sich Passagiere einmischen dürften: "Auf keinen Fall sollte der Passagier den Aufstand proben, denn möglicherweise macht er sich dann eines Verstoßes gegen das Luftsicherheitsgesetz schuldig", sagt Prof. Ronald Schmid, Anwalt für Reiserecht. Wer aber auf eine eindeutig drohende Gefahr aufmerksam wird wie ein Leck in der Tragfläche, sieht die Rechtslage anders aus.

Marodes Flugzeug
In solchen Fällen haben Passagiere an Bord schon erfolgreich protestiert, nachdem die Crew erst nicht auf die Probleme reagiert hatte. Mit einer Unterschriftenaktion haben Fluggäste tatsächlich kurzfristig durchboxen können, dass sie mit einem anderen Flugzeug befördert werden. Doch was, wenn statt der gebuchten Airline überraschend eine ganz andere, eher marode fliegen soll? Grundsätzlich gilt, dass ein Passagier, der einen Flug mit einer ganz bestimmten Airline gebucht hat, auch darauf bestehen kann, mit dieser befördert zu werden.

Auf Kosten sitzenbleiben
​Dies gilt nicht, wenn das Flugangebot mit einer Klausel verbunden ist, die da lauten kann: Mit "renommierten Fluggesellschaften" zu reisen oder "Änderungen vorbehalten". Bei Pauschalreisen ist dies üblich. Wer den Flug mit der Ersatz-Airline dann nicht antritt, bleibt vermutlich auf den Kosten sitzen. Wer dennoch einsteigt, muss sich aber darüber im Klaren sein, dass danach der Kapitän das letzte Wort hat.