Rassismusdebatte

Streifenpolizist: „Rassismus ist bei uns alltäglich"

10. Juni 2020 - 20:24 Uhr

Polizisten sprechen von „Negern“ und „Zigeunern“

Rassismus ist bei der Polizei ein heikles Thema. Es gibt ihn, aber die Beamten reden nicht gern darüber. Ein Streifenpolizist aus Nordrhein-Westfalen hat für RTL/n-tv sein Schweigen gebrochen, will aber anonym bleiben. Er sagt, viele Kollegen benutzen im Polizeialltag Bezeichnungen wie "Neger" oder "Zigeuner". Und "bei Einsätzen gegen ausländische Mitbürger wird schneller Gewalt eingesetzt."  Das ganze Interview können Sie sich im Video anschauen.

Kein Generalverdacht

Polizisten in München auf Streife
Debatte um Rassismus innerhalb der Polizei.
© dpa, Peter Kneffel, kne axs

Der Streifenpolizist hält den Rassismus bei den Sicherheitskräften für kein größeres Problem als in anderen Berufsgruppen. Er findet es aber nicht falsch, wenn die SPD-Parteivorsitzende Saskia Esken von einem latenten Rassismus in den Reihen der Polizei spricht. Für den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann sind solche Vorwürfe völlig unangebracht: "Es gibt Einzelfälle, aber ich kann überhaupt nicht erkennen, dass Polizisten rassistischer wären, als die Gesamtbevölkerung."

Alltags-Rassismus oder normale Polizeiarbeit?

Für den Berliner Grünenpolitiker Benedikt Lux gibt es viele Beispiele von Alltagsrassismus bei der Polizei. So würden Freunde von ihm, die schwarz sind, im Görlitzer Park permanent kontrolliert. Ein Berliner Polizeibeamter sagt uns dazu: "Natürlich kontrolliert man im `Görli´ mehr Schwarze. Sie finden dort keinen deutschen Dealer." Doch die Kontrollen müssen begründet sein. Es braucht dafür konkrete Ermittlungen. Wer jedoch ohne Anlass Menschen nur aufgrund ihrer Hautfarbe öfter kontrolliert, der handelt rassistisch.