Streichelzoo schließt, weil Kinder Tiere quälten: Sind unsere Kinder schlecht erzogen?

14. August 2015 - 8:49 Uhr

"Wenn Eltern wenig präsent sind, sind die Kinder führungslos"

In Norddeutschland musste der Streichelzoo 'Erlebniswald Trappenkamp' schließen, weil Kinder mehrfach mit Steinen nach Ziegen geworfen, sie getreten und mit Stöcken geschlagen haben. Der Zoo-Betreiber sieht die Schuld bei den Eltern. Auch eine Miniaturgolfanlage in Rendsburg erlaubt Kindern unter zehn Jahren keinen Zutritt mehr, weil diese für teure Schäden verantwortlich sein sollen. Sind unsere Kinder wirklich so schlecht erzogen?

'Erlebniswald Trappenkamp' geschlossenes Ziegengehege
Im 'Erlebniswald Trappenkamp' dürfen die Kinder die Ziegen nur noch durch den Zaun füttern.

Füttern ist noch erlaubt, aber betreten werden darf das Ziegengehege nicht mehr. "Leider wurden die Tiere derart misshandelt, dass wir uns zu diesem Schritt gezwungen sahen", steht auf einem Schild an dem Gehege. Für Zoo-Betreiber Stephan Mense ist das die einzig mögliche Konsequenz aus dem Verhalten einiger Kinder. "Gerade die Acht- bis Zehnjährigen, die machen schon mal eine Menge Quatsch, das kennt jeder aus seiner Kindheit. Aber da muss man auch mal sagen können: 'Halt, Schluss. Jetzt hört auf'. Doch das ist leider verloren gegangen."

Der Ansicht ist auch Silvia Ernst, die eine Miniaturgolfanlage im schleswig-holsteinischen Rendsburg betreibt. "Die Kinder stehen dann oft hier und schlagen da so drauf", sagt Ernst und bewegt ihren Schläger mehrfach gegen die Bande. "Meistens sitzen die Eltern direkt hinter ihnen und sagen nichts". Das Miniaturgolf-Verbot für Kinder unter zehn Jahren hat zwar zu zahlreichen Protesten von Eltern geführt, doch angesichts eines Sachschadens von 12.000 Euro an der Anlage will Ernst daran festhalten. Dass die gut erzogenen Kinder das Nachsehen haben, räumt die Betreiberin allerdings ein.

Was ist los mit unseren Kindern? Für ein Verhalten wie in diesen Beispielen haben Psychologen eine einfache Erklärung. "Wenn Eltern wenig präsent sind, sind die Kinder führungslos", sagt Kinderpsychologe Dietmar Langer. Ein Zusammenleben funktioniere nur mit Regeln. Sie zu verstehen und einzuhalten sei klar Aufgabe der Eltern.

Kindern ein Vorbild sein

Tatsächlich beobachten Psychologen immer mehr Eltern, die zwar unzählige Erziehungsratgeber gelesen haben, aber dennoch verunsichert sind, wie sie sich richtig verhalten. Den Kindern einerseits Grenzen zu setzen, andererseits aber auch Freiraum zu lassen, ist eine Gratwanderung, sagt Langer. "Es ist die Pflicht der Eltern einzuschreiten, weil das Verhalten des Kindes ist eine Frage an die Eltern: Ist es richtig, dem anderen ständig vors Schienbein zu treten? Ist es richtig, dem Hund am Schwanz zu ziehen? Die Eltern, die nicht reagieren, signalisieren damit: 'Ja, ist okay, mach ruhig weiter'".

Experten raten zu einfachen wie wirkungsvollen Tipps: Sich Zeit für die Kinder nehmen und vor allem Vorbild sein. Durch Ermahnung Grenzen zu setzen bedeute nämlich nicht, die Kinder weniger zu lieben – im Gegenteil.