„Wir reden viel zu wenig über Langzeitstrategien“

Streeck bei Markus Lanz: Ist der November-Lockdown wirklich notwendig?

Bei Markus Lanz ging es auch um den November-Lockdown.
Bei Markus Lanz ging es auch um den November-Lockdown.
© Imago Entertainment

11. November 2020 - 13:12 Uhr

„Das persönliche Verhalten macht die Pandemie aus“

Nachdem Mitte bis Ende Oktober die Infektionszahlen rasant gestiegen sind, haben Kanzlerin Merkel und die Minister einen zweiten Lockdown beschlossen. Am selben Tag forderte Virologe Streeck gemeinsam mit anderen Experten (u. a. seinem Kollegen Schmidt-Chanasit und Vertretern der Kassenärztlichen Bundesvereinigung KBV), dass man stattdessen vor allem über eine Langzeitstrategie nachdenken müsse. In der Sendung von Talkmaster Markus Lanz am 10. November ging es ebenfalls um dieses Thema: War/ist der Teil-Lockdown im November tatsächlich nötig? Streeck fühlte sich teils missverstanden.

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Brauchen Strategien „bis spät ins nächste Jahr“

"Um das vorweg zu nehmen, ich finde auch, dass der Lockdown gut und wichtig war, weil das unser einziges Mittel war, was wir noch hatten", erklärt Streeck Lanz, der ihn fragt, ob es auch ohne gegangen wäre. Gerade wenn man über die intensivmedizinische Belegung rede, sei ein Lockdown ein wirksames Mittel, so Streeck. "Was mir jetzt aber auch wieder fehlt, ist eigentlich etwas ganz anderes. Wir reden viel zu wenig über Langzeitstrategien. Wie man langfristig, auch bis spät ins nächste Jahr und vielleicht auch übernächstes Jahr, damit umgehen kann." Der Virologe denkt, je mehr man da eine Routine reinbringe, desto besser könne man auch langfristig damit umgehen. "Und das erreicht man – das kennt man aus dem medizinischen Bereich – viel besser über Gebote als über Verordnungen und Verbote."

Sinkt das Wachstum bereits wieder?

Im August, so erinnert Lanz seinen Talkgast, habe Streeck noch gesagt, dass es eher eine Dauerwelle als eine zweite Welle geben werde. Wurde der Virologe mit dem jetzigen Anstieg widerlegt? "Im August habe ich gesagt, wir werden zum Herbst 20.000 Infektionen pro Tag sehen. Wie schnell es dann doch gekommen ist, also dass es noch schneller war als eigentlich die ganzen Vorhersagen gesehen haben, da war ich auch überrascht." Es sei jedoch ganz natürlich, dass die Infektionszahlen mal sinken und mal wieder ansteigen – im Prinzip parallel zu den kalten Monaten. "Aber es zeigt sich dadurch auch, dass das persönliche Verhalten das ist, was die Pandemie ausmacht und es funktioniert nur, wenn wir alle mit an Bord haben, wenn jeder von uns auch sagt 'Okay, ich möchte dazu beitragen, ich möchte, dass die Infektionen gestoppt werden'."

Ein Lockdown ist also auch für Streeck ein kurzfristig wirksames Mittel, um auf Zahlen zu reagieren. Doch was her müsse, sei eine Langzeitstrategie. Und was das angeht wünscht der Virologe sich einen offenen Austausch, bei dem unterschiedliche Aspekte beleuchtet und diskutiert werden. "Vielleicht bin ich da auch naiv, aber mir gefällt die Gesprächskultur, die wir eigentlich bis vor kurzem bei sowas noch gehabt haben. Dass wir sowas durchdiskutieren, dass man verschiedene Ideen, Konzepte einfach mal auch durchspielt."

Würde Streeck sich eigentlich selbst impfen lassen? Auch darüber sprach er mit Markus Lanz!

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