Stratfor: 'Schatten-CIA' von WikiLeaks bloßgestellt

© REUTERS, FINBARR O'REILLY

22. August 2013 - 19:45 Uhr

Stratfor-Chef: "Wir sind besser als die CIA"

"Wir liefern die Informationen von morgen, und nicht die Nachrichten von gestern", ('Get tomorrow's intelligence, not yesterday's news') lautet das Firmencredo von Stratfor. Um genau zu sein, liefert der private US-Nachrichtendienst Analysen und Hintergründe über globale geopolitische Entwicklungen. Welche schmutzige Methoden Stratfor zur Informationsgewinnung anwendet, beweist die Veröffentlichung interner E-Mails durch WikiLeaks. Die Hacker-Gruppe Anonymous hatte die Daten Ende vergangenen Jahres an sich gebracht und an die Veröffentlichungsplattform weitergegeben.

Die mehr als fünf Millionen Mails stammen laut der Veröffentlichungsplattform aus der Zeit zwischen Juli 2004 und Ende Dezember 2011 und geben einen Einblick in die Arbeitsweisen von Stratfor. Sie "zeigen das Informanten-Netz von Stratfor, die Honorarstruktur, Geldwäsche-Praktiken und psychologische Methoden", lautet der Vorwurf von WikiLeaks. Angesetzt wurden die Informanten den veröffentlichten E-Mails zufolge auf ganz unterschiedliche Aufträge - auf unterschiedlichen Kontinenten.

In einem Fall geht es beispielsweise um die Gesundheit von Venezuelas Staatschef Hugo Chavez. George Friedman, Gründer und Vorstandschef von Stratfor, gibt der Analystin Reva Bhalla die Anweisung, Kontrolle über einen Informanten in Venezuela zu übernehmen. So schreibt Friedman in seiner Mail an Bhalla: "Kontrolle bedeutet finanzielle, sexuelle oder psychologische Kontrolle bis zu dem Punkt, wo er seine Quellen preisgibt."

Obwohl Stratfor hierzulande und selbst in den USA bislang kaum jemand kannte, hat sich der selbsternannte 'Dienstleistungsanbieter' im Verborgenen zu einer Art 'Schatten-CIA' für jedermann entwickelt. In Sachen nachrichtendienstlicher Arbeit gibt offenbar längst das Stratfor-Hauptquartier in Austin/Texas den Ton an, und nicht mehr die Kollegen in Langley. Vergleiche mit der Agency hört Stratfor-Chef Friedman jedenfalls nicht sehr gerne. "Denn wir sind besser als die CIA", tönt er im Interview mit dem russischen Nachrichtensender RT.

US-Heimatschutzministerium Kunde bei Stratfor

Das Unternehmensziel beschreibt Friedman in einem internen Memo an seine Belegschaft ganz simpel: "Wir machen komplexe Ereignisse auf der Welt für unsere intelligente Leserschaft verständlich. Ganz ohne Ideologien oder nationale Vorurteile." Ein Konzept das aufgeht. Kann man den veröffentlichten Daten Glauben schenken, zahlten im Juli 2011 über 292.000 Kunden für die Dienste von Stratfor. Unter ihnen sind unter anderem Konzern-Riesen wie: Exxon Mobil, Dell Computer und Walmart. Darüber hinaus gehören auch die Regierungsbehörden des US-Heimatschutzministeriums und der Militärgeheimdienst DIA ('Defense Intelligence Agency') zum Kundenstamm von Stratfor.

Abseits staatlicher Kontrollen ist Stratfor gegenüber den offiziellen Nachrichtenbehörden klar im Vorteil. Was letztlich beiden Seiten zugutekommt. Denn brisante Dienstleistungen werden einfach ausgelagert und in private Hände gegeben. "Das Schöne ist, dass wir außer unseren Kunden niemandem Rechenschaft schuldig sind", schreibt Friedman.

Daran wird auch die Bloßstellung Stratfors durch WikiLeaks nichts ändern, selbst wenn die veröffentlichten Daten einen enormen Skandal darstellen. Laut WikiLeaks-Gründer Julian Assange soll der richtige Coup erst in den kommenden Tagen veröffentlicht werden. Friedman konterte die Attacke auf der Internetseite des Unternehmens umgehend: Stratfor werde das nicht zum Schweigen bringen. "Wir machen weiter das, was wir am besten können: Unabhängige Analysen über internationale Angelegenheiten erstellen und veröffentlichen."