Haftstrafe wegen besonders schweren Diebstählen in Zahnarztpraxis und Apotheke

Straßburg-Attentäter: Darum saß Cherif C. in Deutschland im Knast

Die französischen Behörden veröffentlichten zwei Fotos von Cherif C., anfangs das rechte, später wurde das linke als offizielles Fahndungsfoto herausgegeben.

12. Dezember 2018 - 10:53 Uhr

RTL kennt alle Details aus dem deutschen Urteil

Die Spur des Straßburg-Attentäters führt nach Deutschland! Die französische Polizei jagt Cherif C., der mindestens drei Menschen getötet haben soll. Noch ist er auf der Flucht. Aus einem Urteil des Amtsgerichts Singen, das RTL vorliegt, gehen die deutschen Vorstrafen des mutmaßlichen Killers hervor. 2016 wurde der heute 29-Jährige für zwei Diebstähle zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt und nach seiner Zeit im Gefängnis nach Frankreich ausgeliefert.

Bargeld, Briefmarken und Zahngold aus Zahnarztpraxis geklaut

Im Februar 2012 brach C. nachts in eine Zahnarztpraxis in Mainz ein, wie aus dem Urteil des Amtsgerichts Singen (Baden-Württemberg) hervorgeht. Im Urteil heißt es: "Dort entwendete er einen an der Wand angeschraubten Tresor mit Inhalt sowie den Inhalt zweier Geldkassetten, indem er diese aufbrach." Der Franzose erbeutete 1.467 Euro Bargeld, Briefmarken im Wert von 192 Euro und Zahngold im Wert von 6.572 Euro. Vor Gericht gestand er die Tat, bestritt aber, Briefmarken und Zahngold gestohlen zu haben.

Straßburg-Attentäter plünderte Kassen in einer Apotheke

Das Gericht verhandelte im Prozess einen zweiten Diebstahl. Im Januar 2016 brach Cherif C. demnach in eine Apotheke in Engen bei Konstanz ein. "Dort entwendete er aus drei Kassen circa 315 Euro", heißt es im Urteil. Als der Alarm ausgelöst wurde, flüchtete er aus der Apotheke. Dabei wurde er von einer Überwachungskamera gefilmt. Auch diese Tat gestand der 29-Jährige. Cherif C. spricht kein Deutsch, seine Aussagen wurden übersetzt.

Cherif C. saß in der Schweiz und Frankreich ebenfalls im Knast

Vor seiner Haft in Deutschland saß Cherif C. bereits in Frankreich (2008) und der Schweiz (2013) im Knast. Auch dort wurde er nach RTL-Informationen wegen Einbruchsdiebstählen verurteilt.

Was wissen wir über die Vorfälle in Straßburg? Eine Chronologie

  • Gegen 20:00 Uhr: Am Rande des Weihnachtsmarkts greift ein Attentäter die Besucher an und schießt in die Menschenmenge, tötet am Ende zwei Menschen und verletzt 14 weitere, sieben davon schwer. Weite Teile der Straßburger Innenstadt werden über Stunden abgeriegelt. Ein Oüpfer erliegt später im Krankenhaus seinen Verletzungen, ein weiteres wird für hirntot erklärt.
  • Zwischen 20 und 21 Uhr: Schusswechsel des Attentäters mit Sicherheitskräften im Patrouilleneinsatz. Gegen 22:00 Uhr übernehmen Anti-Terror-Spezialisten der Pariser Staatsanwaltschaft die Ermittlungen.
  • Gegen 22:30 Uhr verschanzt sich der Täter. Laut dem Sender France Info entkommt er mit einem Taxi, das er gestohlen hat. Der vermutlich radikalisierte Mann soll verletzt worden sein.
  • Um 23:00 Uhr wird das EU-Parlament abgeriegelt
  • Gegen 00:30 Uhr finden Ermittler bei der Durchsuchung der Wohnung des Verdächtigen Granaten
  • Um 01:00 beginnt eine Krisensitzung, unter anderem mit Präsident Emmanuel Macron, Premierminister Édouard Philippe und Verteidigungsministerin Florence Parly.
  • 02:20 Uhr: Innenminister Christophe Castaner äußert sich zum Anschlag. Der mutmaßliche Attentäter wurde bereits wegen Delikten in Frankreich und in Deutschland verurteilt. Er sollte eigentlich am Dienstagmorgen verhaftet werden, war aber wohl nicht zu Hause.
  • 02:45 Uhr: Frankreich erhöht die nationale Sicherheitswarnstufe.
  • 03:09 Uhr: Die EU-Abgeordneten dürfen das Parlament wieder verlassen. Der Polizeieinsatz läuft weiter; der Gesuchte, der angeblich verletzt ist, ist weiter auf der Flucht.
  • 11:13: Die deutschen Sicherheitsbehörden sind nach Informationen des Berliner "Tagesspiegels" nicht nur an der Suche nach dem Attentäter von Straßburg beteiligt, sondern fahnden auch nach dessen Bruder. Die Brüder werden dem Straßburger Islamistenmilieu zugerechnet.
  • 11:30 Uhr: In Deutschland tauchen die Namen des mutmaßlichen Attentäters Chérif C. und seines Bruders Sami C. nicht in der Datei für islamistische Gefährder auf. Die Schwelle für eine Registrierung ist in Frankreich deutlich niedriger.
  • 11:33 Uhr: Die Polizei stoppt nach Hinweisen aus der Bevölkerung auf der A1 bei Bremen ein Taxi mit französischem Kennzeichen und nimmt drei Personen fest. Einer der Insassen soll maskiert gewesen sein. Allerdings relativiert die Polizei: "Der Sachverhalt stellt sich derzeit geringer dar als zunächst angenommen."