Nach Absage des Stollberger Weihnachtsmarktes

Bürgermeister verharmlost Corona und wettert gegen Schutzmaßnahmen

Der Bürgermeister von Stollberg kritisiert die Maßnahmen, die zum Schutz gegen die Ausweitung des Coronavirus getroffen worden sind (Symbolbild).
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30. November 2020 - 10:38 Uhr

Bürgermeister von Stollberg erntet für Stellungnahme zur Weihnachtsmarktabsage Kritik

Der Bürgermeister von Stollberg, Marcel Schmidt (Freie Wähler Union), hat am Donnerstag eine dreiseitige Stellungnahme zur Absage des Weihnachtsmarktes in seiner Stadt herausgegeben. Darin bezweifelt er unter anderem die Wirkung der Corona-Schutzmaßnahmen der Politik und vergleicht die Schwere der Pandemie mit schweren Grippewellen. Dafür wird er im Netz kritisiert.

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Marcel Schmidt setzt Corona-Pandemie mit schwerer Grippewelle gleich

In seiner Stellungnahme bezweifelt Marcel Schmidt, dass die Corona-Pandemie schlimmer sei als eine heftige Grippewelle. Er schreibt: "Wir werden sehen, ob Corona mehr Opfer kosten wird, als schwere Grippewellen in den letzten Jahren forderten. Wir können wahrscheinlich nicht in jeder kommenden Grippewelle sämtliche Traditionen über Bord werfen, alle bisher geltenden Grundsätze beiseiteschieben, um keine Menschen sterben lassen zu müssen." Damit spielt er auf die Entscheidung der Politik an, den Weihnachtsmarkt nicht stattfinden zu lassen.

Schmidt findet, dass die derzeitigen Corona-Schutzmaßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie überzogen sind. In seinen Augen ist nur ein kleiner Bruchteil der Bevölkerung überhaupt in Gefahr, ernsthaft zu erkranken.

Weihnachtsmarkt birgt keine Ansteckungsgefahr für Stollberger

Die Absage des Stollberger Weihnachtsmarktes kann er nicht nachvollziehen. Im eigentlichen Konzept stehe, dass der Weihnachtsmarkt nur für Stollberger zugelassen und auf 1.000 Personen beschränkt werde. Ein gesteigertes Infektionsrisiko für die Bevölkerung gebe es auf dem Weihnachtsmarkt nicht, so Schmidt. Die Stollberger würden sich genauso in der Schule, im Supermarkt oder beim Bäcker sehen und gegebenenfalls auch dort anstecken.

Keine Reaktion von Bürgermeister auf Kritik

Auf Twitter erntet Marcel Schmidt heftige Kritik. Viele können seine Aussagen in Anbetracht der derzeitigen Infektionszahlen (auch im Erzgebirgskreis) nicht nachvollziehen. Auch das Konzept des Weihnachtsmarktes wird kritisiert. Dass alle Menschen, die nicht in Stollberg wohnen, ausgeschlossen werden sollten, finden viele bezeichnend. Eine Stollbergerin äußert sich auf Twitter mit den Worten: "Unglaublich. Ich wohne da und fühle mich von diesem Menschen nicht vertreten." Auf Anfragen von RTL war Bürgermeister Marcel Schmidt am Freitag nicht zu sprechen. Er befindet sich derzeit in häuslicher Quarantäne. Zur Kritik hat er sich bisher nicht geäußert.

Stollberger stehen hinter Meinung des Bürgermeisters

Die Recherchen in Stollberg am Freitag ergaben, dass die Mehrheit der Stollberger hinter ihrem Bürgermeister steht. Restaurantinhaberin Katrin Feig stimmt den Aussagen Schmidts voll zu. Sie habe massive Einbußen erlitten und werde das durch den Ausfall des Weihnachtsmarktes noch mehr spüren. Etwas Verwerfliches sieht sie in Schmidts Äußerungen nicht.

Erklärungsversuche des Stadtmanagers

Stollbergs Innenstadtmanager Stefan Herold begründet die Ansichten seines Bürgermeisters zur Absage des Weihnachtsmarktes mit den ungleich verteilten Fallzahlen im Erzgebirgskreis. Der Kreis weise zwar einen hohen Inzidenzwert auf, allerdings sei das mit den hohen Infektionszahlen in den Orten an der Grenze zu Tschechien zu begründen. Diese Zahlen flössen in den Inzidenzwert des Kreises mit ein. Stollberg sei eine sehr dünn besiedelte Stadt und deren Bewohner sehr vernünftig, erklärt Herold. Nun müsse man die Unvernunft der Grenzstädte ausbaden.