Fake-Bewertungen bei Google, Amazon & Co.

Stiftung Warentest blickt hinter die Kulissen der Rezensionsindustrie

Kundenrezensionen bei Amazon.
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26. Juni 2020 - 16:12 Uhr

Das Internet ist voller Sterne

Anhand einer Skala von eins bis fünf Sternen bewerten Kunden den Toaster bei Amazon oder das Hotel auf dem Reiseportal. Theoretisch soll so die Kaufentscheidung für Waren oder Dienstleistungen erleichtert werden. Praktisch mischen sich aber mittlerweile unter die echten Rezensionen auch Fake-Bewertungen. Und so erstrahlt das Produkt auf einmal in einem ganz neuen Glanz. Top-Bewertungen kann man bei Agenturen im Internet kaufen, zum Beispiel zehn Stück für 99 Euro. Stiftung Warentest hat jetzt hinter die Kulissen der Sterneindustrie geschaut und dabei hat sich so manch dunkler Abgrund aufgetan.

Fünf Sterne auf Ansage

Die Tester meldeten sich inkognito bei sieben Agenturen an und verfassten 42 Produktrezensionen. Dabei wollten sie vor allen Dingen wissen, ob auch kritische Bewertungen erwünscht sind. In 63 Prozent aller Rezensionen mischten sich die Agenturen ein. Bei jeder vierten Kritik wiesen diese die Tester an, vier oder fünf Sterne zu vergeben. In 21 Prozent der Fälle durften die Tester die Waren nicht einmal ausprobieren. Es ist also im Internet nicht alles Gold, was glänzt.

3 Tipps: So erkennen Sie unseriöse Bewertungen

  1. Lesen Sie die negativen Rezensionen und suchen Sie nach Übereinstimmungen. Klagen mehrere Nutzer über denselben Mangel, kann das ein Hinweis auf eine Schwachstelle sein.
  2. Klicken Sie bei Amazon oder Google auf das Profil des Rezensenten. Da lässt sich einiges erfahren: Wer immer fünf Sterne vergibt oder in einer Woche zehn Handys bewertet, ist sehr wahrscheinlich kein echter Verbraucher.
  3. Häufen sich positive Bewertungen innerhalb kurzer Zeit oder folgen auf eine schlechte mehrere richtig gute Bewertungen, wurde womöglich ebenfalls getrickst.

Politik und Justiz gegen Manipulationen

EU-Kommission und Bundeskartellamt wollen gegen das boomende Geschäft mit den Fake-Bewertungen angehen. Zukünftig sollen Internetseiten offenlegen, ob und wie sie kontrollieren, dass Rezensionen von echten Kunden stammen, die die Waren wirklich gekauft und benutzt haben. Die Regelung ist Teil der EU-Richtlinie "New Deal for Consumers", die am Anfang des Jahres in Kraft trat. Allerdings haben die EU-Mitgliedstaaten zwei Jahre Zeit, um die Richtlinie in nationales Recht umzusetzen.

Stellungnahme von Amazon zu Fake-Bewertungen

Amazon hat sich bezüglich gefälschter Kundenrezensionen folgendermaßen geäußert:

"Unser Ziel ist es, sicherzustellen, dass Kunden authentische und relevante Bewertungen vorfinden, damit sie besser informierte Kaufentscheidungen treffen können. Dafür setzen wir leistungsstarke Programme des maschinellen Lernens und erfahrene Prüfteams ein, um wöchentlich mehr als 10 Millionen Rezensionen zu analysieren.

Ziel ist es, missbräuchliche Bewertungen zu unterbinden, bevor sie überhaupt veröffentlicht werden. Amazon akzeptiert ausnahmslos nur authentische Bewertungen – wir entfernen gefälschte Rezensionen und gehen gegen alle an dem Missbrauch Beteiligten vor. Dies reicht von einer vorübergehenden Sperre bis hin zu einem Gerichtsverfahren. Besonders rigoros gehen wir in Deutschland gegen Unternehmen vor, die gefälschte Rezensionen verkaufen.

So haben wir beispielsweise rund ein Dutzend einstweilige Verfügungen gegen solche Anbieter erwirkt. Dieser Erfolg wird auch durch Entscheidungen der Oberlandesgerichte in Frankfurt und Hamburg bestätigt, die für den gesamten Online-Handel von grundlegender Bedeutung sein werden. Wir arbeiten weiter mit vollem Einsatz daran, die Echtheit von Kundenbewertungen zu schützen.

Wir raten Kunden, die an der Glaubwürdigkeit der auf einem Produkt hinterlassenen Rezensionen zweifeln, den Link "Missbrauch melden" zu klicken, der unterhalb jeder Rezension verfügbar ist. Auf diese Weise können wir nachforschen und notwendige Maßnahmen ergreifen."