Vor 9.000 Zuschauern auf Mallorca

Torero versetzt Stier den Todesstoß

12. August 2019 - 9:55 Uhr

Verfassungsrichter kippten Stierkampfverbot für Mallorca

Die wütenden Proteste von Tierschützern waren umsonst: Erstmals nach zwei Jahren sind auf Mallorca wieder Stiere getötet worden. Beim Stierkampf im "Coliseo Balear" in Palma floss das Blut von insgesamt acht Bullen. 2017 hatten die Balearen ein Tötungsverbot beschlossen – dieses wurde aber von den Verfassungsrichtern in Madrid gekippt. Unser Video zeigt, wie der Torero einem Stier den Todesstoß versetzt.

Demo und Gegendemo bei Stierkampf auf Mallorca

Knapp 9.000 Besucher kamen zur ersten "Corrida de Toros" in Palma nach der Zwangspause. Die Eintrittspreise: zwischen 30 und 150 Euro. Vor der Arena hatten sich schon zwei Stunden vor Beginn des Events rund 400 Menschen versammelt, um lautstark gegen die blutige Show zu protestieren. Sie schlugen auf Töpfe, beschimpften rund 30 Stierkampffans, die eine Art Gegendemo organisiert hatten, als "Mörder" und skandierten Slogans wie: "Mallorca tötet nicht, Mallorca schützt Tiere!", "Kultur ist nicht Tortur" und "Torero, du Feigling, wir wünschen dir einen schlechten Abend!".

Stierkampffans trotzen den Protesten

Stierkampf auf Mallorca
Ein Störer eines Stierkampfes wird in der Arena von Palma de Mallorca von Männern eingefangen.
© dpa, Guillermo Valdes, tba

Den Anhängern der blutigen Tradition konnten die Proteste wenig anhaben. Immer, wenn einer der Matadoren versuchte, mit seinem Degen von oben herab das Herz des Stieres zu erreichen und dem Bullen den Todesstoß zu versetzen, brachen die Zuschauer in lauten Jubel aus.

Nach dem Tod des ersten Stieres durch Star-Matador Morante de la Puebla lief ein Stierkampfgegner aus Protest in die Arena. Der Mann wurde von Ordnern aber schnell wieder hinausgezerrt.

Mallorca war eine der letzten "stierkampffreien Bastionen" Spaniens

Demonstration gegen den Stierkampf auf Mallorca
Tierschützer beteiligen sich an einer Demonstration in der Nähe der Stierkampfarena Coliseo Balear.
© dpa, Clara Margais

Die Rückkehr der Toreros nach Mallorca war vom Verfassungsgericht vor einigen Monaten ermöglicht worden. Ende 2018 kippten die Richter in Madrid in Teilen ein balearisches Gesetz aus dem Jahr 2017, das die linke Regionalregierung durchgebracht hatte, und das unter anderem die Verletzung oder Tötung der Stiere untersagte. Dieses Verbot wurde wieder aufgehoben. Die Begründung der Richter: Da der Stierkampf 2013 zum nationalen Kulturgut erklärt worden sei, könne nur der Zentralstaat über solche Verbote entscheiden. Die Regionen dürfen demnach nicht eigenmächtig solche Beschlüsse fassen.

Mit Mallorca fiel eine der letzten "stierkampffreie Bastionen" Spaniens. Schon 2016 hatte die Justiz ein in Katalonien seit 2010 geltendes Stierkampfverbot gekippt. Die Kanaren sind die einzige Region, in der noch eine Art Stierkampfverbot gilt. Auf den Atlantikinseln gibt es aber auch keine Tradition des Spektakels.