Steubenville: Vergewaltigung von Behörden vertuscht? Anonymous stellt Täter an den Pranger

11. Juli 2016 - 14:45 Uhr

16-Jährige Football-Spieler vergewaltigen Mädchen

Es klingt wie eine Geschichte aus einem Film: Im US-Städtchen Steubenville wird 16-jähriges Mädchen vergewaltigt. Doch die mutmaßlichen Täter werden zunächst nicht belangt. Im Gegenteil: Sie machen sich in Videos im Internet auch noch lustig über das Opfer. Der ungeheuerliche Verdacht: Weil die beiden mutmaßlichen Täter Football-Stars in dem kleinen Ort sind, versuchten die Behörden, die Gewalttat zu vertuschen. Doch die Bevölkerung geht auf die Barrikaden.

Steubenville, Proteste, Vergewaltigung
Die Einwohner von Steubenville protestierten mehrfach vor dem Gerichtsgebäude.
© Reuters, STRINGER

Rund 18.000 Menschen leben im kleinen Ort in Ohio. Besonders stolz sind die Einwohner auf ihr Football-Team – die High-School-Mannschaft der Big Red. Das Team hat in den vergangenen Jahren einige Titel gewonnen. Doch zwei 16-jährige Jungen, beide Mitglieder der Mannschaft, sollen auf einer Party im August ein gleichaltriges Mädchen vergewaltigt haben. Die Einwohner der Stadt gehen auf die Barrikaden.

Anonymous: "Jetzt schaut die ganze Welt auf euch"

Laut einem Bericht der "New York Times" sollen zudem mehrere Personen tatenlos dabei zugeschaut haben, wie die Angeklagten das Mädchen misshandelten und auf sie urinierten. Die 16-Jährige war offenbar bis zur Besinnungslosigkeit betrunken, was die Anwesenden schamlos ausnutzen und Fotos des Opfers twitterten. Einer der mutmaßlichen Täter verhöhnte sie kurz danach auch noch in einem Video, das die Hackergruppe Anonymous nun veröffentlicht hat.

Sie werfen den Behörden vor, das Ausmaß der Vergewaltigung absichtlich vertuscht zu haben, um das Football-Team zu schützen. Auf der Webseite 'stopbigred.com' sammelt Anonymous deshalb Beweise für diese Behauptung.

Dort wurden auch schon die Namen der Football-Spieler veröffentlicht, die angeblich bei der Tat zugeschaut haben soll. "Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie eine Gruppe junger Männer, die Vergewaltigung als eine Art Spiel oder Sport ansehen, davonkommt, weil sie sehr gute Sportler sind und das Glück haben, in einer Kleinstadt zu leben. Jetzt schaut die ganze Welt auf euch", so die Hackergruppe in einem Statement. Viele Einwohner der Stadt protestierten öffentlich vor dem Gerichtsgebäude.

Auch die Stadtverwaltung von Steubenville hat mittlerweile reagiert und in Bemühung um Transparenz ihrerseits eine Webseite veröffentlicht (steubenvillefacts.com), auf der sie alle Fakten zu dem Fall veröffentlicht hat und auch Auskunft über die persönlichen Verhältnisse des ermittelnden Polizeichefs gibt.

Der Prozess gegen die beiden 16-jährigen mutmaßlichen Täter soll im Februar vor einem Jugendgericht stattfinden.