Tote Tiere, scheinbar brutale Mitarbeiter und kaum Platz für Säue

Recherche von Stern TV: Youtuber zeigen schockierende Zustände aus Schweinezucht

14. Dezember 2019 - 11:23 Uhr

Was können Verbraucher für Mast-Tiere tun?

Die beiden Youtuber Gordon Prox und Aljosha Mutardi dokumentieren die Zustände in einer Schweinezucht im Münsterland. Auf den Aufnahmen von Stern TV ist zu sehen, wie Schweine in scheinbar zu kleinen Boxen eingepfercht sind, Ferkeln die Schwänze abgeschnitten wurden, tote Tiere in den Hallen liegen – teilweise auch in Mülleimern. Aber wo können Verbraucher Fleisch kaufen, um sicher zu gehen, dass es den Tieren besser ging?

Im Video zeigen wir die schockierenden Aufnahmen von Stern TV und die Rechtfertigung des Betriebs. Die expliziten Szenen haben wir aus Rücksicht auf das Wohl der Zuschauer verpixelt.

Schockierende Bilder aus dem Schweinemast-Betrieb

Die Bilder aus der Stern TV-Reportage sind schockierend. Die Youtuber Gordon Prox und Aljosha Mutardi dringen nachts in eine Schweinemast ein und dokumentieren, wie schlecht die Lebensbedingung für die Tiere zu sein scheinen.

In Käfigen, halb liegend, gebären Säue kleine Ferkel, viele davon kommen bereits tot zur Welt. Aus Platzmangel können sich die Muttertiere nicht um ihre Babys kümmern und auch Mitarbeiter des Betriebs sind laut Stern TV nicht vor Ort, um die Tiere zu betreuen.

Es ist nicht das erste Mal, dass schockierende Bilder aus Schweinemast-Betrieben an die Öffentlichkeit gelangen. Erst im September hatten Tierschützer Aufnahmen aus einem Betrieb aus dem Kreis Steinfurt veröffentlicht. 

Wie oft werden Betriebe in Deutschland überprüft?

Die Durchsetzung des Tierschutzgesetzes ist in Deutschland Aufgabe der einzelnen Bundesländer. "Diese entscheiden in eigener Verantwortung über die zugrundeliegenden Strukturen sowie die personelle und finanzielle Ausstattung der zuständigen Veterinärverwaltungen", hießt es in einer Stellungnahme der Bundesregierung. Konkret heißt das: Die Länder sind selbst verantwortlich, wie viel Geld und Personal sie in die Überprüfung der Betriebe investieren.

Sowohl in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen als auch in den meisten anderen Bundesländern wurden laut Angaben der Bundesregierung seit 2008 stetig mehr Kontrolleure eingestellt. Durchschnittlich werden Betriebe in Nordrhein-Westfalen alle 14,7 Jahre kontrolliert, in Niedersachsen etwa alle 21 Jahre. Am häufigsten werden Betriebe in den Stadtstaaten Berlin (alle 2,6 Jahre), Hamburg (etwa alle 7,3 Jahre) und Bremen (ebenfalls alle 7,3 Jahre) kontrolliert.

Wie können Verbraucher die Lebensbedingungen für Masttiere verbessern?

Verbraucher können sich generell an den Lebensmittel-Siegeln auf Produkten orientieren. Bio-Fleisch mit dem grünen EU-Bio-Siegel sollte für Konsumenten, denen die Haltungsbedingungen der Tiere wichtig sind, das Minimum sein. Die Tiere, von denen solches Fleisch stammt, haben in ihren Ställen mehr Platz und zudem mehr Auslauf, auch ihr Futter muss bestimmten Qualitätskriterien entsprechen. Aber: Auch dieses Siegel erlaubt industrielle Tierhaltung. Auch bei Fleisch mit EU-Bio-Siegel ist es eher die Ausnahme, dass die Tiere glücklich auf einer grünen Wiese groß werden durften.

Wer sichergehen möchte, dass das gekaufte Fleisch aus guten Haltungsbedingungen stammt, sollte zu einem privaten Metzger gehen. Die kennen die Betriebe, aus denen ihr Fleisch stammt, genau und können Verbrauchern Auskunft über die Haltungsbedingungen geben.

Ganz ohne Aufpreis gibt es Fleisch aus besseren Haltungsbedingungen nicht. Wer nicht bereit ist, mehr Geld als den geforderten Discounter-Preis für Steak, Schweinelende und Co. auszugeben, sollte im Sinne der Tiere eher ganz verzichten. Mittlerweile bieten Supermärkte jede Menge gute vegetarische Alternativen an und auch im Alltag fällt die vegetarische – und damit tierfreundliche Ernährung – mit ein paar einfachen Hilfen gar nicht weiter auf.

Stern TV-Recherche auf TVNOW

Die ganze Reportage über die Zustände in dem Schweinemast-Betrieb finden Sie hier auf TVNOW.