Große "Stern"-Dokumentation "Survivors"

Mutter und Tochter überleben Anschlag: "Entweder ich habe Glück oder sie finden sie unter meiner Leiche"

23. Mai 2019 - 13:20 Uhr

Im Video: Überlebende erzählen von den schlimmen Erlebnissen

Was bleibt ist Angst. Und Wut. Und die Hoffnung, dass irgendwann wieder alles wird, wie es einmal war. Bei Terroranschlägen kamen in den letzten Jahren hunderte Menschen ums Leben, tausende wurden verletzt. Doch diesmal sollen nicht die Täter im Fokus stehen. In der großen "Stern" Dokumentation "Survivors - Vom Leben nach dem Überleben" stehen die Opfer im Vordergrund, die die schrecklichen Erlebnisse für den Rest ihres Lebens mit sich herumtragen werden.

"Bei jedem neuen Anschlag bin ich wieder mittendrin"

Es ist der 12. Januar 2016. Martina Model und ihr Mann machen Urlaub in Istanbul. Sie befinden sich gerade auf einem belebten Platz zwischen der Hagia Sophia und der Blauen Moschee, als es plötzlich knallt. Inmitten ihrer Touristengruppe sprengt sich ein Attentäter in die Luft. Zehn Menschen sterben, 15 werden verletzt. Martina und ihr Mann überleben. Doch unbeschwert leben können sie seitdem nicht mehr. Bis heute leidet die 67-Jährige unter Angstzuständen und das, obwohl sie sich nicht an den Anschlag erinnern kann.  

"Wenn man das nur hört und das nicht erlebt hat, sagt man, ja, das ist schlimm. Und dann hakt man es ab. Aber wenn Sie es erlebt haben. Bei jedem Attentat - egal was war, ob es Nizza war, ob es Brüssel war - ist man wieder mittendrin", beschreibt die Dresdnerin ihre Gefühle.

"Ich werde sie beschützen"

Auch Hager Ben Aouissi ist Überlebende. Als am 14. Juli 2016 ein Attentäter mit einem LKW durch eine Menschenmenge in Nizza fährt, steht sie mit ihrer Tochter Kenza gerade an einem Süßigkeitenstand. Es ist der französische Nationalfeiertag. Auf der "Promenade des Anglais" flanieren an dem lauen Sommerabend tausende Menschen. Dann sieht die Mutter den Truck auf sich zurasen. "Wir konnten nicht wegrennen, der LKW war zu schnell", erinnert sie sich. Die Mutter fasst blitzschnell einen Entschluss. Sie wirft sich auf ihr kleines Mädchen und dann unter den Truck. 

"Als ich mich entschieden habe, mich unter den Truck zu werfen, um Kenza zu beschützen, habe ich gedacht: Entweder habe ich Glück und werde überleben oder sie finden sie unter meiner Leiche. Aber ich werde sie beschützen", sagt Hager Ben Aouissi. Wie durch ein Wunder erleidet sie nur eine leichte Schnittwunde am Ohr. Ihre Tochter bleibt unverletzt.

So gehen die Opfer mit den Erlebnissen um

Die Geschichten von Martina Model und Hager Ben Aouissi sind nur zwei von vielen. Es sind tausende, die unter den Folgen der Terroranschläge leiden. Im Video sehen Sie, wie einige der Opfer heute mit den schrecklichen Erlebnissen umgehen. Wie sie den Moment des Anschlags erlebten und wie sich ihr Leben seitdem veränderte, zeigen wir in den Videos.