News
Aktuelle Nachrichten, Schlagzeilen und Videos

Sterbehilfe-Prozess: Berliner Arzt vom Gericht freigesprochen

Arzt im Sterbehilfe-Prozess freigesprochen
Arzt im Sterbehilfe-Prozess freigesprochen Patientin im Sterben besucht, nicht eingegriffen 01:51

Der Arzt hatte die Schlaftabletten verschrieben, aber nicht verabreicht

"Danke dir. Alles geschluckt!", schreibt die 44-jährige Anja D. ihrem Hausarzt Dr. Christoph Turowski, nachdem sie eine große Menge Schlaftabletten geschluckt hat, die ihr der Arzt verschrieben hatte. Der Mediziner stand nun in Berlin wegen aktiver Sterbehilfe vor Gericht und wurde freigesprochen.

Die Frau hatte mehrfach versucht, sich das Leben zu nehmen

Der 68-jährige Arzt habe der 44 Jahre alten und unheilbar kranken Patientin bei ihrem Suizid geholfen, sich dabei aber nicht strafbar gemacht, entschieden die Richter am Landgericht. Dem Arzt sei kein "aktives Tun" nach Eintritt der Bewusstlosigkeit der Patientin vorzuwerfen. Auch das Unterlassen von Rettungsmaßnahmen sei nicht strafbar gewesen. "Der Patientenwille ist zu achten", sagte die Vorsitzende Richterin. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Geldstrafe von 18.000 Euro wegen versuchter Tötung auf Verlangen, die Verteidigung Freispruch beantragt.​

Frau litt seit ihrer Jugend an chronischen Reizdarmerkrankung

Der damalige Hausarzt hatte die Patientin im Februar 2013 auf ihren Wunsch hin bei ihrem Suizid unterstützt und ihr ein starkes Schlafmittel verschrieben. Die Frau litt seit ihrer Jugend an einer chronischen, nicht heilbaren und schmerzhaften Reizdarmerkrankung. Sie hatte mehrfach versucht, sich das Leben zu nehmen. Unumstritten war im Prozess, dass die 44-Jährige die tödliche Dosis allein einnahm. Kurz danach hatte sie ihren Arzt per Handy-Nachricht informiert. Die Nachricht wird mit den Worten "Danke dir. Alles geschluckt" zitiert. Der Arzt fuhr zu ihr und fand die Frau nach eigenen Angaben in einem tiefen Koma vor und sah in den folgenden Stunden mehrfach nach ihr. Sie starb etwa drei Tage nach der Einnahme einer laut Gutachten mehrfach tödlichen Dosis.

Was der freigesprochene Arzt nach dem Urteil sagte und wie die Verwandten der Patientin auf das Urteil reagierten, sehen Sie im Video. 

Aktive Sterbehilfe in Deutschland verboten

Aktive Sterbehilfe ist hierzulande verboten, die Hilfe bei der Selbsttötung hingegen nicht. Zulässig ist zum Beispiel, ein tödliches Medikament bereitzustellen, das der Betroffene selbst einnimmt. Auch passive Sterbehilfe wie der Abbruch lebensverlängernder Maßnahmen ist erlaubt. Strafbar ist es in Deutschland aber, Sterbehilfe als Dienstleistung anzubieten. Die Debatte wird in Deutschland seit Jahren emotional geführt, daher wurde das Urteil auch mit Spannung erwartet.

Mehr News-Themen