Wie weit reicht der freie Wille bei Menschen, die ihr Leben beenden wollen?

Sterbehilfe: Bundesgerichtshof bestätigt Freisprüche für Ärzte

© dpa, Oliver Berg

3. Juli 2019 - 16:48 Uhr

BGH fällt Grundsatzurteil

​Der Bundesgerichtshof (BGH) hat die Freisprüche für zwei Ärzte in Sterbehilfe-Prozessen bestätigt. Das BGH in Leipzig wies die Revisionen der Staatsanwaltschaft zurück. Beide Mediziner hatten Patientinnen bei Selbsttötungen unterstützt.

Was musste der BGH entscheiden?

Der BGH musste klären, ob Ärzte sich strafbar machen, wenn sie nicht versuchen, Menschen zu retten, die zuvor freiwillig eine tödliche Medikamentendosis geschluckt haben. "Gibt es eine Pflicht zur Wiederbelebung - das ist eine zentrale Frage", sagte Anwalt Walter Wellinghausen, der einen der Ärzte vor Gericht vertrat.

Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund ging vorab von einem grundlegenden Urteil für die Medizinerschaft aus. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz erwartete eine Grenzziehung "zwischen erlaubter Suizidbeihilfe im Einzelfall und verbotener Tötung auf Verlangen".

Um welche Fälle geht es?

Zum einen geht es um zwei ältere Damen aus Hamburg, die sich 2012 entschlossen hatten, aus dem Leben zu scheiden. Der angeklagte Arzt war dabei, als sie die tödlichen Medikamente einnahmen und begleitete ihr Sterben.

Zum anderen geht es um eine chronisch kranke 44-Jährige aus Berlin, die 2013 ihr Leben ebenfalls beendete. Der angeklagte Arzt hatte ihr ein starkes Schlafmittel verschrieben. Davon nahm sie eine mehrfach tödliche Dosis. Dann informierte sie den Arzt, der nach der komatösen Frau sah, aber keine Rettungsmaßnahmen ergriff.