Stellungnahme von Günter Wallraff zu SPIEGEL-Fragen

14. Mai 2014 - 13:38 Uhr

Stellungnahme von Günter Wallraff zu den Fragen des Nachrichtenmagazins SPIEGEL

1. McDonalds und das Beratungsunternehmen Burson-Marsteller sind 2009 auf mich zugekommen, weil das Unternehmen sich im "Zuge einer Neuorientierung" auch seinen Kritikern stellen wollte. Da ich grundsätzlich in meiner Arbeit dem direkten Kontakt zu Unternehmen nicht ablehnend gegenüberstehe, um gemeinsam nach Verbesserungen der von mir kritisierten Zustände zu suchen, habe ich zugesagt.

Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt Hausverbot in deutschen Filialen von McDonalds, das als erstes zurückgenommen wurde. Mir wurde außerdem in Aussicht gestellt, ich könne auch in Eigenregie jede Filiale besuchen und mir ein eigenes Bild von der heutigen Situation machen.

Ich habe bei dieser Begegnung kritisiert, dass McDonalds zwar in hygienischer Hinsicht den Standard gegenüber meinen früheren Recherchen verbessert zu haben schiene, die Weigerung des Unternehmens, gewerkschaftlich aktive Betriebsräte zuzulassen, sei aber nach wie vor nicht akzeptabel.

Mir wurde dabei erklärt, McDonalds habe bereits einige Dutzend Betriebsräte in seinen Filialen, worauf ich seinerzeit erwidert habe, das sei in einem Unternehmen mit 1.500 Filialen ein Armutszeugnis.

2. Ich habe an den zwei von Ihnen genannten Veranstaltungen teilgenommen. Weitere gab es nicht. Zur Verwendung der Gelder nehme ich weiter unten Stellung.

3. Für das fragliche Video, das Franchisenehmern vorgeführt werden sollte, wurden verschiedene Personen, u.a. auch der damalige Vorsitzende der Gewerkschaft NGG, Möllenberg, darum gebeten, von ihren Erfahrungen mit und ihren Erwartungen an McDonalds zu berichten. McDonalds hat aber auf die Aufnahme meiner Beiträge verzichtet, möglicherweise, weil diese doch wohl zu kritisch ausgefallen waren.

Für meine Mitwirkung wurde mir dennoch das übliche Honorar von 5.000 Euro angeboten, was ich für mich persönlich abgelehnt habe. Ich habe McDonalds gebeten, diesen Betrag an die Betriebsrätin der Bäckerei Weinzheimer, Frau Kin, zu überweisen, der wegen einer kritischen Stellungnahme über ihren Arbeitgeber in einer meiner Sendungen gekündigt worden war. Ihr Mut und ihre Entschlossenheit, die Zustände in dieser Bäckerei zu ändern, hatten mich nicht nur beeindruckt; mir ging es auch darum, ihr den Rücken zu stärken.

4. Die Veranstaltung fand unter der Moderation von Bärbel Schäfer statt und war als Informationsgespräch und kritische Auseinandersetzung angelegt. Mit Kritik habe ich nicht zurückgehalten. Um meine Position klarzustellen, habe ich vorab das gerade erschienene Buch "Tiere essen" von Jonathan Safran Foer, das sich kritisch mit der Massentierhaltung und Fastfood auseinandersetzt, an die Teilnehmer verteilt. Ich wiederhole meine Ablehnung von Fastfood generell übrigens bei vielen Gelegenheiten, zuletzt noch in der vorigen Woche.

Das Honorar für meinen Auftritt ging an meine Stiftung.

5. Auf der Veranstaltung 2010 ging es um eine kritische Auseinandersetzung mit dem Gefälligkeitsjournalismus. Ich habe dabei die wichtige Rolle des investigativen Journalismus hervorgehoben, der sich eben nicht auf PR-Mitteilungen beschränken darf, sondern eigene, ggf. auch verdeckte Recherchen erfordert.

Das Honorar für meine Lesung und meinen Vortrag wurde an meine Stiftung überwiesen.

6. Gemeinsam mit einem renommierten Statistikprofessor, der für seine kritische Haltung gegenüber Umfragen bekannt ist, habe ich McDonalds ergänzende Vorschläge gemacht, wie eine wissenschaftlich fundierte Befragung ihrer Mitarbeiter aussehen könnte. Die Verantwortung für die Befragung oblag McDonalds. Zu den Ergebnissen der Studie befragen Sie bitte McDonalds.

Für die Hilfestellung bei der Ausarbeitung des Fragebogens haben wir und auch meine Stiftung keinerlei Honorar erhalten.

7. Ich habe mehrfach Hilfeersuchen von McDonalds-Mitarbeitern weitergegeben, da der Kontakt zum Unternehmen hergestellt war. Ich konnte aufgrund der ersten dort im Interesse der Betroffenen gefundenen Lösungen darauf hoffen, dass jeweils im möglichen Umfang Abhilfe geschafft wurde.

Ich interveniere zugunsten von Beschäftigten auch gegenüber anderen Unternehmen auf ähnliche Weise. Deshalb erinnere ich mich nicht an jeden einzelnen Vorgang. Da mir bekanntlich ein früherer Mitarbeiter viele Unterlagen entwendet und sie an den Spiegel verkauft hat, kann ich im fraglichen Falle auch nicht auf Schriftstücke zurückgreifen. Vielleicht werden Sie ja in den Unterlagen fündig, die sich in Ihrem Besitz befinden.

8. McDonalds war bereits in der Vergangenheit Gegenstand meiner Kritik.

Mein besonderes Interesse für Burger King hatte im übrigen mit der Person von Helmut Naujoks zu tun, der als "Anwalt des Schreckens" im Auftrag die Franchisenehmer Yi-Ko beim Bossing gegen Betriebsräte und Gewerkschafter unterstützte. Wie Sie wahrscheinlich wissen, habe ich mich aus guten Gründen mit diesem gemeingefährlichen Menschen bereits verschiedentlich befasst, u.a. in meinem Buch "Aus der schönen neuen Welt".

9. Die Themenfindung im "Team Wallraff" erfolgt demokratisch. Der Vorschlag selber kam von meinem Kollegen Alexander Römer, auch ihm waren die systematischen Mobbingpraktiken von Naujoks bekannt.

Günter Wallraff am 08.05.2014