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Geht es jetzt wieder los?

Steiler Anstieg: R-Wert klettert auf fast 3

Je kleiner die Reproduktionszahl, desto besser - oder?
Je kleiner die Reproduktionszahl, desto besser - oder?
© iStockphoto

23. Juni 2020 - 8:44 Uhr

RKI meldet mehr Corona-Fälle

Die Corona-Fallzahlen in Deutschland steigen. Ebenso die Reproduktionszahl. Laut dem RKI klettert die Reproduktionszahl zuletzt auf fast 3 - dabei sollte sie im besten Fall unter 1 liegen. Müssen wir uns jetzt Sorgen machen, dass ein erneuter Total-Lockdown droht? 

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Kennzahl steigt auf fast 3

Die ganze Welt blickt während der Corona-Pandemie auf Zahlen. Wir sprechen über Fallzahlen, die Zahl der täglichen Neuinfektionen oder die Verdopplungszeit. Und auch die sogenannte Reproduktionszahl ist seit Mitte April ins Interesse der Öffentlichkeit gerückt. Der R-Wert beschreibt, wie viele andere Menschen ein Infizierter ansteckt. Dabei bildet der R-Wert immer das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab und soll so eine einfache Einschätzung zum Trend der Pandemie ermöglichen.

Jetzt ist der R-Wert wieder angestiegen: nach RKI-Schätzungen mit Datenstand 21. Juni, 0:00 Uhr stieg der Wert auf 2,88, während er am Vortag noch bei 1,79 lag. Doch ist das ein Grund, sich Sorgen zu machen?

Wie schlimm ist der hohe R-Wert?

Die Reproduktionszahl ist eine Schätzung, wie viele Menschen im Durchschnitt von einem mit Sars-CoV-2 Infizierten angesteckt werden. Liegt der R-Wert bei 1, bleibt die Zahl der akut Infizierten konstant. Liegt er höher, nimmt sie zu. Bei einem R-Wert von 2,88 etwa stecken 100 Infizierte im Schnitt 288 Menschen an. Liegt der R-Wert unter 1, sinkt die Zahl der Infizierten und die Pandemie läuft mit der Zeit aus.

In der Hochphase der Pandemie kam dem R-Wert eine wesentliche Bedeutung zu. Denn schon kleine Veränderungen im Nachkommabereich konnten beträchtliche Auswirkungen haben, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel im April öffentlich vorrechnete: Aus damaliger Sicht konnte ein R-Wert von 1,2 oder 1,3 den Unterschied machen, ob das Gesundheitssystem Deutschlands im Juli oder schon im Juni überlastet sein wird. Doch mittlerweile sind Katastrophen-Szenarien wie dieses kein Thema mehr. Aktuell wird vor allem diskutiert, wie der Weg zurück zum Normalzustand vollzogen werden könnte. Gleichzeitig schießt das "4-Tage-R" auf 2,88 und das "7-Tage-R" auf 2,03. Also deutlich über jenen Werten, vor denen Merkel im April gewarnt hatte. Wie passt das zusammen?

Weniger Menschen mit Coronavirus infiziert

Die Situation jetzt ist aber mit der im April nicht mehr vergleichbar. Denn es sind viel weniger Menschen akut mit dem Coronavirus infiziert. Derzeit sind es rund 7.000 - im April waren es zum Teil deutlich über 60.000. Die Höhe des R-Werts wirkt sich derzeit daher bei Weitem nicht so dramatisch aus. Allerdings könnte ein über mehrere Tage anhaltend hoher R-Wert die Situation ändern. Wenn es tatsächlich zu einer zweiten Welle kommen sollte, ist das aber nicht allein am R-Wert erkennbar - vielmehr muss dieser immer in Verbindung mit anderen Kennzahlen betrachtet werden, wie etwa der Zahl der Neuinfektionen. Nur wenn diese ebenfalls kontinuierlich ansteigt, kann dies auf eine neue Infektionswelle hindeuten.

RKI: "Die weitere Entwicklung muss in den nächsten Tagen beobachtet werden."

Der jüngste Anstieg der 7-Tages-Inzidenz hängt wohl mit einigen schweren, aber lokal begrenzten Ausbrüchen zusammen. Das Robert Koch-Institut (RKI) berichtete von einer hohen Zahl an Neuinfektionen in den Landkreisen Gütersloh und Warendorf sowie in Magdeburg und dem Berliner Stadtteil Neukölln. Allein in Gütersloh wurden bei dem Ausbruch in einem Schlachtbetrieb von Tönnies mehr als 1.300 Mitarbeiter positiv getestet. Derartige Ereignisse können auch den R-Wert schnell in die Höhe treiben.

Ein bundesweiter Anstieg der Fallzahlen sei daraus bisher nicht abzuleiten, wie das RKI mitteilte. Denn das Institut schaut sich bei der Beurteilung der Lage eben nicht nur den R-Wert an. Wichtig seien auch die Zahl der Neuinfektionen im Tagesvergleich, die Zahl positiv ausgefallener Tests sowie die Be- und Auslastung des Gesundheitswesens, hieß es. Dennoch betonte das RKI: "Die weitere Entwicklung muss in den nächsten Tagen beobachtet werden." Insbesondere in Bezug auf die Frage, ob es auch außerhalb der lokalen Ausbrüche zu einem überregionalen Anstieg der Fallzahlen kommt.

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