Steigende Corona-Infektionen in Katalonien

Droht Spanien die "zweite Welle"?

In den letzten Tagen war der Strand in Barcelona gut besucht.
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23. Juli 2020 - 7:38 Uhr

Beschränkungen werden in Spanien nicht überall ernst genommen

Angesichts des Wiederanstiegs von Corona-Infektionen hat die katalanische Regionalregierung für die Bewohner von Barcelona und einiger Vororte erneut strenge Ausgangsbeschränkungen erlassen. Sie seien aufgerufen, ihr Heim nur in dringend erforderlichen Fällen zu verlassen, sagte Regierungssprecherin Meritxell Budó am Freitag. Doch nicht alle halten sich an den Appell, viele nutzten trotz Warnung in den letzten Tagen ihre Ferienhäuser oder sonnten sich am Strand. Droht Spanien eine "zweite Welle"?

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Mehr als 7.000 Neuinfektionen in einer Woche

Katalonien ist in der Corona-Akutphase bereits angekommen. Die spanische Gesundheitsbehörde hat innerhalb der vergangenen Woche mehr als 7.000 neue Fälle registriert, die meisten davon in und rund um Barcelona. Treffen von mehr als zehn Personen sind nun verboten, in der ganzen Region gilt eine Maskenpflicht im Freien.

Von einer "zweiten Welle" sprechen die Behörden aber noch nicht. Um die steigenden Infektionszahlen unter Kontrolle zu bekommen, haben die Behörden in den Regionen Katalonien, Valencia und Murcia viele Clubs und Diskos vorübergehend geschlossen oder ihren Betrieb deutlich eingeschränkt. Auch auf Mallorca und Ibiza sind seit Mitte vergangener Woche sämtliche Lokale in den Partyhochburgen dicht.

Virologe Dr. Stürmer: "Partybilder müssen Ausnahme bleiben!"

Angesichts der heiklen Situation in Spanien, bleibt die Frage: Droht uns diese Lage auch in Deutschland und damit schneller als gedacht eine "zweite Welle"? "Wir haben uns zu sehr in Sicherheit gewiegt. In vielen Ländern gehen die Infektionszahlen wieder nach oben und die Maßnahmen werden wieder verschärft.", so Virologe Dr. Martin Stürmer. "Dadurch, dass wir reisen und mobil sind, ist die Gefahr natürlich deutlich höher, dass wir uns wieder mehr mit dem Coronavirus anstecken. Die Bilder aus Kroatien oder Mallorca müssen eine Ausnahme bleiben, dann bleiben wir in Deutschland auch vor einer zweiten Welle verschont.", so Stürmer.

Der Virologe warnt eindrücklich davor, im Urlaub die Corona-Maßnahmen auf die leichte Schulter zu nehmen. "Es bleibt zu hoffen, dass es sich bei den Partytouristen um eine Minderheit handelt. Wenn sich alle Urlauber weiterhin vorbildlich verhalten, dann sind wir auf einem guten Weg."

Ab wann sprechen wir von einer "zweiten Welle"?

Ab wann aber sprechen wir überhaupt von einer "zweiten Welle"?  Der Begriff ist wissenschaftlich nicht genau definiert. Dr. Martin Stürmer macht die Lage nicht unbedingt von den Zahlen abhängig. "Wenn die Kurven wieder konstant nach oben gehen und nicht abflachen, dann kann man wieder von einer "zweiten Welle" sprechen." Allerdings muss dabei unterschieden werden, ob es sich um einen regionalen Corona-Ausbruch handelt oder die Zahlen deutschlandweit wieder ansteigen.