Steffen Henssler: Das Knastinterview

"Henssler hinter Gittern": TV-Koch Steffen Henssler im Interview
TV-Koch Steffen Henssler im Interview

Steffen Henssler: "Ich wollte hinter die Kulissen blicken"

Bei "Henssler hinter Gittern" hat sich Sternekoch Steffen Henssler auf ein aufregendes Abenteuer und Experiment eingelassen: Er will einer Gruppe von zumeist ungelernten Strafgefangenen das Kochen beibringen und mit ihnen ein Bistro hinter Gittern eröffnen. Mit dieser Maßnahme soll ein besonderer Weg der Resozialisation erreicht werden. Durch neue Perspektiven für die Insassen will Steffen Henssler den Teufelskreis in dem sich viele Häftlinge befinden durchbrechen. Im Interview berichtet Hamburger Sternekoch von seinen Erfahrungen.

Steffen, wie kamen Sie auf die Idee, ausgerechnet in eine JVA zu gehen?

Ein Gefängnis ist natürlich eine Art Mysterium. Es hat mich gereizt herauszufinden, wie es vor Ort abläuft. Ich wollte hinter die Kulissen blicken und war auf die Mitarbeiter und Insassen vor Ort gespannt.

Wie waren die Reaktionen der Strafgefangenen, als sie von dem Projekt gehört haben?

Für das Projekt haben sich viele Insassen angemeldet. Sie hatten Bock etwas Neues auszuprobieren und aus ihrem Alltagstrott auszubrechen. Anderseits haben mich aber auch viele eher als Eindringling empfunden.

Sie haben schon zahlreiche Projekte gemacht – was ist anders, wenn man in einer JVA dreht?

Eine JVA ist eine Welt für sich. Man ist nie wirklich frei und hat immer einen Beamten an seiner Seite. Die Insassen machen freiwillig beim Projekt mit, können jedoch genauso jederzeit und ohne Konsequenzen abbrechen. Bei den teils sehr schwierigen Charakteren und widrigen Umständen vor Ort war dies schwer steuerbar und eine enorme Herausforderung für mich!

"Es hat mich überrascht, wie schnell man die Distanz verliert"

Was hat Sie beim Dreh der Doku am meisten verwundert oder überrascht?

Es hat mich überrascht, wie schnell man die Distanz verliert. Ich musste mich oft daran erinnern, dass ich es mit Insassen eines Gefängnisses zu tun hatte, da mir die Leute trotz ihrer Straftaten enorm schnell ans Herz gewachsen sind.

Was war die größte Hürde, die Sie bei der Produktion nehmen mussten?

Die Einschränkung in der eigenen Mobilität. Wenn ein Teilnehmer nicht im Bistro erschienen ist und ich ihn in der Zelle besuchen wollte, war dies mit enormen Hürden verbunden. Wir mussten zuerst offiziell anfragen und dann wurde über den Antrag diskutiert. Der Teilnehmer konnte, sofern der Antrag positiv bewertet wurde, aber auch noch das Besuchsrecht verweigern.

Unabhängig davon, ob das Projekt erfolgreich war oder nicht – das wollen wir ja noch nicht verraten – würden Sie es nochmals machen?

Jederzeit!