F1-Boss bringt abgespeckten Rennkalender ins Spiel

Domenicalis Formel-1-Vision: Fahrer sind die "Seele unseres Sports"

Stefano Domenicali
© AP, Mark Schiefelbein, MAS

21. Januar 2021 - 13:10 Uhr

Fahrer sollen wieder im Mittelpunkt stehen

Formel-1-Boss Stefano Domenicali hat in einem Interview seine Vision für die Zukunft der Motorsport-Königsklasse dargelegt. Kernpunkt: Die Fahrer sollen im Mittelpunkt stehen, die F1 wieder richtig geil werden. Dann könne es auch weniger Rennen im Jahr und wechselnde Grands Prix geben. Dieses Jahr müsse die Formel 1 wegen der Corona-Pandemie allerdings "flexibel" sein.

Domenicali: Lange nicht mehr so viele gute Fahrer in der Formel 1

"Es ist an der Zeit, um ernsthaft und positiv darüber zu reden, wer wir sind und was wir anbieten – es gibt großartige Möglichkeiten", sagte Domenicali im Gespräch mit Sky-Experte Martin Brundle.

Der frühere Ferrari-Chef will vor allem den Faktor Mensch in der Motorsport-Königsklasse stärken. "Die Fahrer werden in der Zukunft der Formel 1 im Mittelpunkt stehen", betonte Domenicali. "Ich denke, sie repräsentierten die Seele unseres Sports – ihre Gesichter, ihre Fähigkeiten. Ich würde in ihnen nicht nur die Fahrer sehen. Sie sind die Botschafter unseres Sports und für die Zukunft absolut entscheidend."

Die F1 habe lange nicht mehr, "so viele gute Fahrer" gehabt wie zurzeit. "Wir haben unglaubliche junge Fahrer. Lewis kann einen unglaublichen Rekord erreichen. Die Herausforderung ist groß", so Domenicali.

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Aston-Martin-Comeback als Signal?

Als "großartige Nachricht" bezeichnete Domenicali die Rückkehr der "ikonischen" Traditionsmarke Aston Martin. Der britische Autobauer hat das frühere Racing-Point-Team übernommen, geht ab 2021 als Werksteam mit Sebastian Vettel im Cockpit an den Start.

Domenicali hofft, dass das Beispiel Schule macht und die F1 künftig auch wieder andere große Automarken anzieht. Auch dies würde die Rennserie attraktiver machen.

Dieses Jahr "flexibel" sein

Mit Blick auf den diesjährigen Rennkalender äußerte sich der Italiener pragmatisch. Die Formel 1 wolle weiterhin 23 Grands Prix austragen, müsse aber einen "flexiblen Ansatz" verfolgen. "Ich bin mit allen Organisatoren täglich im Austausch. Wir wissen, dass die Pandemie noch immer da ist – deswegen haben wir Australien im Kalender nach hinten verschoben", sagte Domenicali.

Er könne den Fans versichern, dass die Saison 2021 stattfinden werde. Man habe "Alternativen" in der Schublade, sollte sich die Corona-Situation weiter verschärfen.

Wegen strikter Corona-Auflagen Down Under hatte die F1 den Australien-GP in den November verschoben. Das ursprünglich für den 18. April angesetzte China-Rennen in Shanghai wird durch Imola ersetzt. Offen ist noch, wo die F1 Anfang Mai fährt, als Favorit gilt Portimao/Portual.

Grand-Prix-Rotation und weniger Rennen?

Für die zukünftige Gestaltung des Rennkalenders brachte Domenicali gar ein "Rotationsprinzip" wechselnder Grands Prix ins Spiel – und deutete überraschenderweise an, dass die Anzahl der Rennen reduziert werden könne.

"23 ist eine wichtige Anzahl von Rennen, kein Zweifel. Was die Quantität angeht, was die Aufmerksamkeit angeht, was die Hingabe der Leute angeht", so Domenicali. Manch einer sage, dies seien "zu viele" Rennen, andere hielten das für, "kein Problem".

Die Frage könne sich letztlich von selbst beantworten, sagte der 55-Jährige. "Wenn es uns gelingt, ein unglaublich gutes Produkt anzubieten, könnte sich eine Situation ergeben, in der wir zu einem kleineren Rennkalender zurückkehren und es eine Chance gibt, bestimmte Grands Prix zu rotieren."

Eine durchaus überraschende Aussage des Formel-1-Chefs. In der Vergangenheit hatten die F1-Verantwortlichen immer wieder den Wunsch nach 25 Rennen im Jahr geäußert. Die Formel-1-Inhaber hatten Domenicali vergangenes Jahr zum Nachfolger des Amerikaners Chase Carey an der Spitze der Rennserie auserkoren. Offiziell leitet der frühere Ferrari-Teamchef seit Anfang diesen Jahres die Geschicke der Königsklasse.