Das Kondom heimlich abzustreifen, ist ein sexueller Übergriff

Gericht stellt klar: "Stealthing" ist strafbar

"Stealthing" ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein Verbrechen. Anders ausgedrückt: Wer beim Sex heimlich das Kondom abstreift und zum Samenerguss kommt, begeht eine Straftat (Symbolbild).
© picture alliance / imageBROKER, Thomas Knauer

14. August 2020 - 11:24 Uhr

Ohne Ejakulation bleibt die Rechtslage unklar

"Stealthing" ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein Verbrechen. Anders ausgedrückt: Wer beim Sex heimlich das Kondom abstreift und zum Samenerguss kommt, begeht eine Straftat. Das bestätigte jetzt das Berliner Kammergericht.

In besonders schweren Fällen kann "Stealthing" als Vergewaltigung bestraft werden

Der entsprechende Paragraph (§ 177 Abs. 1 Strafgesetzbuch) decke nicht nur ab, "ob überhaupt Geschlechtsverkehr stattfinden soll, sondern auch darüber, unter welchen Voraussetzungen", heißt es in der Urteilsbegründung.

Allerdings gibt es eine Einschränkung: Das "Stealthing" ist laut Urteil ein sexueller Übergriff, wenn der Geschlechtspartner "nicht nur gegen dessen Willen in ungeschützter Form penetriert, sondern im weiteren Verlauf dieses ungeschützten Geschlechtsverkehrs darüber hinaus in den Körper des bzw. der Geschädigten ejakuliert." Das bedeutet im Umkehrschluss: Kommt es nicht zur Ejakulation, ist die Rechtslage weiter ungeklärt.

Ferner verletzt "Stealthing" das sexuelle Selbstbestimmungsrecht. Entscheidend sei nicht nur, dass man sich durch ein Kondom vor Krankheiten schützen oder eine Schwangerschaft verhindern will, sondern auch die sexuelle Autonomie. Ebenso stellten die Richter klar, dass in besonders schweren Fällen "Stealthing" künftig auch als Vergewaltigung gewertet werden kann.

Acht Monate auf Bewährung und 3.000 Euro an das Opfer

Der Fall, der den juristischen Prozess in Gang gesetzt hatte, sei allerdings kein besonders schwerer Fall.

Ein Polizist hatte sich mit einer Frau zum Sex verabredet. Anfangs benutzte er ein Kondom, doch dann streifte er bei einem Stellungswechsel das Gummi ab und machte ohne weiter - ohne ihr davon etwas zu sagen. Dafür wurde er im 2018 vom Amtsgericht Tiergarten zu einer Bewährungsstrafe und der Zahlung eines Schmerzensgeldes verurteilt.