Staufener Missbrauchsfall: Hauptangeklagter Christian L. räumt Sexualstraftaten ein

29. Juni 2018 - 10:21 Uhr

Lebensgefährte der Mutter missbrauchte neunjährigen Jungen

Der Hauptangeklagte im Missbrauchsfall von Staufen bei Freiburg hat im Prozess die Vorwürfe schwerer Sexualstraftaten eingeräumt. Der Lebensgefährte der Mutter des missbrauchten Jungen sagte, die Anklage sei bis auf Kleinigkeiten zutreffend. Er habe die Mutter des Kindes unter Druck gesetzt, erklärte er. "Ich war die treibende Kraft", sagte er mit monotoner Stimme. Die Initiative sei immer von ihm ausgegangen. Die Mutter habe daher ihren Sohn für die Missbrauchshandlungen zur Verfügung gestellt - aus Angst, er könnte die Beziehung beenden.

Der Sohn von Berrin T. war nicht das einzige Opfer

11.06.2018, Baden-Würtemberg, Freiburg: Zuhörer und Journalisten warten vor dem Landgericht auf Einlass.  Im Fall des schwer missbrauchten und an andere Männer verkauften Jungen aus Staufen stehen die Mutter des Kindes und ihr Lebensgefährte vor Geri
Freiburg: Zuhörer und Journalisten warten vor dem Landgericht auf Einlass.
© dpa, Patrick Seeger, pse cul

Die Taten der Angeklagten sind unvorstellbar: Eine Mutter, Berrin T. (48), die zuschaut, wie ihr eigenes Fleisch und Blut mehr als zwei Jahre lang missbraucht wird, die ihren Sohn an Männer verkauft und den Neunjährigen sogar selbst erniedrigt, bei den Vergewaltigungen mithilft. Und der vorbestrafte Lebensgefährte Christian L. (39), der sich bis zu 60 Mal an dem Jungen vergangen haben soll, der Mann, den die Mutter bei sich einziehen ließ, obwohl sie von seinen pädophilen Neigungen und einschlägigen Vorstrafen wusste. Der Prozess findet nun knapp neun Monate nach dem Bekanntwerden der schweren Missbrauchsvorwürfe statt.

Die Anklageschrift gegen die beiden ist mehr als 100 Seiten lang. Insgesamt werden ihnen 58 Einzeltaten vorgeworfen, darunter schwere Vergewaltigung und Zwangsprostitution. Angeklagt sind Taten zwischen Mai 2015 bis Ende August 2017. Neben dem neunjährigen Jungen gibt es ein weiteres Opfer, das Paar soll sich auch mehrfach an der dreijährigen Tochter einer Bekannten vergangen haben.

Weiterer Täter in Karlsruhe vor Gericht

Von nahezu allen Taten der beiden und auch von den Abscheulichkeiten, die andere Männer dem Jungen zufügten, gibt es Videoaufnahmen, die im Prozess als Beweismittel dienen. Schon in anderen Prozessen zum Fall wurden diese als Beweismittel zugelassen. Drei Männer, die den Neunjährigen gegen Geld missbraucht haben sollen, wurden bereits verurteilt. Ein Spanier kommt Ende Juli vor Gericht, gegen einen Schweizer wird noch verhandelt und gegen einen Deutschen startete in Karlsruhe der Prozess zeitgleich mit dem in Freiburg.

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"Ich erhoffe mir von der angeklagten Kindsmutter eine Erklärung zur Motivation"

Die Vertreterin der Nebenklage und damit des missbrauchten Jungen, Katja Ravat sagte: "Ich erhoffe mir, auch wenn es vielleicht unrealistisch ist, von der angeklagten Kindsmutter eine Erklärung zur Motivation". Die Anwältin sprach außerdem das aus, was sich wohl jeder erhofft: "Dass ich dem Kind rückmelden kann, dass der Mann auf absehbare Zeit nicht mehr aus der Haft entlassen werden wird". Der Junge lebt seit der Festnahme des Paares und der weiteren mutmaßlichen Täter im vergangenen Herbst bei einer Pflegefamilie. Sein Aufenthaltsort wird zu seinem Schutz geheim gehalten. Laut Polizei geht es ihm "den Umständen entsprechend gut".

Mutter wirkt vor Gericht anteilslos und unbeteiligt

11.06.2018, Baden-Würtemberg, Freiburg: Die angeklagte Mutter (l) wird zu Beginn der Mittagspause von Justizbeamten aus dem Gerichtssaal gebracht. Im Fall des schwer missbrauchten und an andere Männer verkauften Jungen aus Staufen stehen die Mutter d
Die angeklagte Mutter Berrin T. (l) wird zu Beginn der Mittagspause von Justizbeamten aus dem Gerichtssaal gebracht.
© dpa, Patrick Seeger, pse cul

Der Name des Jungen wird von beiden Angeklagten nicht benutzt, es wird lediglich von "dem Jungen" gesprochen. Berrin T. und Christian L. traten offen vor Gericht auf, sie verdeckten ihre Gesichter nicht. Die Mutter wirkte anteilslos und unbeteiligt, der Lebensgefährte hingegen unterdrückte ein Lächeln, "fast schon süffisant", sagt Gerichtsreporter Per Hinrichs. Beide Beschuldigten wollen sich zur Sache und zur Person äußern. Gleichzeitig beantragten sie dafür den Ausschluss der Öffentlichkeit.

Quelle: dpa/RTL Next