Staufen-Prozess: 12,5 und 12 Jahre Haft plus Sicherungsverwahrung - So reagierten die Horror-Täter auf das Urteil

07. August 2018 - 11:53 Uhr

Das Gericht blieb unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft

Es ist einer der schwersten Fälle von Kindesmissbrauch, der in Deutschland vor Gericht verhandelt wurde. In Freiburg haben die Richter heute das Urteil gegen eine 48-Jährige und ihren 39 Jahre alten Lebensgefährten aus Staufen gesprochen. Für die Mutter des Jungen, Berrin T., verhängte das Gericht eine Strafe von 12 Jahren und 6 Monaten, die Staatsanwaltschaft hatte 14,5 Jahre gefordert. Den Lebensgefährten erwartet eine Haftstrafe von 12 Jahren mit anschließender Sicherungsverwahrung. Hier hatte die Staatsanwaltschaft ursprünglich 13,5 Jahre und eine Sicherungsverwahrung gefordert. Beide haben den Sohn der Frau nicht nur mehrfach selbst missbraucht, sondern ihn im Internet auch an andere Männer verkauft.

Unterschiedliche Reaktionen auf die Haftstrafen

Die Angeklagten Berrin T. und Christian L. im Gerichtssaal in Freiburg
Die Angeklagten Berrin T. und Christian L. im Gerichtssaal in Freiburg
© RTL

Die beiden Verurteilten sollen außerdem insgesamt 42.500 Euro Schmerzensgeld an den Jungen sowie an ein weiteres Opfer, ein kleines Mädchen, zahlen. Angeklagt waren zum Teil schwerste Sexualverbrechen an dem Jungen sowie Zwangsprostitution in jeweils etwa 60 Fällen. Die für Christian L. verhängte anschließende Sicherungsverwahrung wird in Deutschland nicht als Strafe, sondern als präventive Maßnahme angesehen. Sie soll die Bevölkerung vor Tätern schützen, die ihre eigentliche Strafe für ein besonders schweres Verbrechen bereits verbüßt haben, aber weiter als gefährlich gelten. Die Täter können theoretisch unbegrenzt eingesperrt bleiben.

Die Reaktionen der Angeklagten auf das Urteil waren sehr unterschiedlich. Wie Berrin T. und Christian L. bei der Urteilsverkündung reagierten, berichtet unsere Reporterin Sarina Sprengelmeyer aus Freiburg im Video oben.

Gefesselt, vergewaltigt und erniedrigt

Das Ausmaß der sexuellen Gewalt, die der Grundschüler erleiden musste, brachte nicht nur die Ermittler, sondern auch die am Prozess Beteiligten an ihre Grenzen. Mehrere Freier aus Deutschland und dem Ausland mieteten das Kind über das Darknet. Der Junge wurde gefesselt, vergewaltigt, erniedrigt, misshandelt und beschimpft. Fotos und Videoaufnahmen der Taten zeigen, was dem Kind angetan wurde. Sie lieferten den Ermittlern aber auch wichtiges Beweismaterial, sodass die Schuldigen gefasst werden konnten.

Neben den beiden Hauptangeklagten wurden noch sechs weitere Männer verhaftet und angeklagt. Die Mittäter konnten auch dank der umfangreichen Aussage der Mutter vor Gericht gestellt werden. Ihre Rolle in dem Fall bleibt ein Rätsel. Sie äußerte sich nicht dazu, was ihre Beweggründe waren, ihren eigenen Sohn zu missbrauchen und anderen Männern zu überlassen.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Lebensgefährte ist wegen Kindesmissbrauchs vorbestraft

Der psychiatrische Gutachter Hartmut Pleines attestierte ihr eine kaum ausgeprägte Fähigkeit zum Mitgefühl. Sie habe die eigenen Interessen über die ihres Sohnes gestellt und sei darum bereit gewesen, ihn zu opfern. Er geht jedoch nicht davon aus, dass sie ihrem Freund hörig gewesen sei. Sowohl die Mutter als auch ihr Lebensgefährte, der wegen Kindesmissbrauchs bereits vorbestraft ist, haben die Taten gestanden.

Er hätte eigentlich gar nicht mit dem Jungen unter einem Dach leben dürfen, denn er hatte Kontaktverbot zu Kindern und Jugendlichen. Die Behörden hatten die Einhaltung des Verbots nicht überwacht. Auch Hinweise der Schule auf einen möglichen Missbrauch stufte das Jugendamt als zu vage ein. Darum blieb der Junge viel zu lange bei seiner Mutter. Kurz vor der Verhaftung nahmen die Behörden das Kind zwar aus der Familie, wenig später kam er aber durch eine Panne wieder zurück. Inzwischen lebt er bei einer Pflegefamilie. Eine Aussage vor Gericht blieb ihm erspart.