Christian L. in Untersuchungshaft

Staufen: Pfadfinder-Betreuer soll Kinder über 400 Mal missbraucht haben

07. Mai 2019 - 22:26 Uhr

Christian L. missbrauchte Jungen

Der Verdächtige Christian L. aus Staufen sitzt seit Ende Februar in Untersuchungshaft. Dem 41-Jährigen wird vorgeworfen, mehrere Kinder sexuell missbraucht zu haben. Insgesamt gehe es um 400 Fälle, so die Polizei. Die Taten sollen um Jahre zurück liegen. Seine Opfer soll er unter anderem durch seine Tätigkeit bei der evangelischen Kirchengemeinde in Staufen kennengelernt haben. Dort arbeitete Christian L. als Pfadfinder-Betreuer. Im Video spricht der leitende Polizeipräsident über den Verdächtigen.

Es gab schon einmal ein Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs

Christian L. ist kein Unbekannter. Gegen ihn gab es schon einmal ein Verfahren wegen Verdacht auf sexuellen Missbrauch. Es ging um den Zeitraum zwischen 2004 und 2007. Aus Mangel an Beweisen wurde Christian L. damals freigesprochen.

Die Missbrauchsvorwürfe, die der Staatsanwaltschaft und Polizei jetzt vorliegen, wurden am 18. Februar 2019 gemeldet. Die Mutter des ersten Opfers kam zur Polizei und gab an, dass ihr heute 17-jähriger Sohn im Alter zwischen neun und elf Jahren sexuell missbraucht worden sei. Mittlerweile liegen drei Haftbefehle gegen den Angeklagten vor und ein viertes Opfer hat sich auch schon gemeldet. Er soll Jungen im Alter von acht bis 14 Jahren sexuell missbraucht haben.

Er soll die Kinder manipuliert haben

Zwei seiner Opfer habe Christian L. durch seine Tätigkeit als Betreuer der Pfadfinder kennengelernt. Die anderen beiden Jungen kannte er wohl auch durch den Freizeitbereich. Den Kindern gegenüber soll er sehr manipulativ gehandelt haben: "Er hat sich gezielt Kinder ausgesucht, die er begeistern konnte - für sich gewinnen konnte. Er hat mit den Kindern Zeit verbracht und einzelnen Kindern auch regelmäßig Geschenke gemacht", so der Leiter der Ermittlungsgruppe, Matthias Kaiser.

Die Übergriffe an den Opfern variieren zwischen zwei und 400 Fällen - die Zahl fällt teilweise so hoch aus, weil er zu bestimmten Opfern besonders nahe Beziehungen gehabt haben soll, auch über einen längeren Zeitraum hinweg. Teilweise soll es mehrere Übergriffe innerhalb einer Woche gegeben haben.

Noch ein weiterer Täter?

Durch die Ermittlungen in diesem Fall kam ein weiterer Vorwurf von sexuellem Missbrauch gegen einen anderen Betreuer der Pfadfinder auf. Ein heute 27-Jähriger soll sich circa im selben Zeitraum, also Anfang der 2010er Jahre, ein damals 13 Jahre altes Mädchen missbraucht haben.

Die Ermittlungen stehen in diesem Fall noch am Anfang. Die beiden Täter, also Christian L. und der heute 27-Jährige, sollen sich wohl kennen. Ihre Taten stehen aber nicht in direkter Verbindung zueinander.

Schon wieder ein Missbrauchsfall in Staufen: Anfang August 2018 hatte das Landgericht Freiburg die Mutter eines Jungen und ihren Partner zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Sie hatten das Kind im Darknet für Vergewaltigungen angeboten und an andere Männer verkauft. Einen Zusammenhang zwischen beiden Fällen gibt es nicht.