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Staudamm bei Whaley Bridge: 6.500 Menschen in Großbritannien wegen Lebensgefahr evakuiert

Dammbruch droht

Staudamm bei Whaley Bridge: 6.500 Menschen in Großbritannien wegen Lebensgefahr evakuiert

Hält er oder nicht?

Bange Blicke richten sich in der nordenglischen Kleinstadt Whaley Bridge auf einen beschädigten Staudamm. Premier Johnson machte sich ein Bild von der Lage, Einwohner durften kurz in ihre Häuser. Aber es ist noch nicht vorbei. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. 20 Hochleistungspumpen pumpen 24 Stunden Wasser ab. Der Pegel muss dringend gesenkt werden, um den Druck an der Staumauer zu senken. Doch auch von oben soll im Laufe der Woche noch Nachschub kommen. Das könnte fatale Auswirkungen haben.

Es besteht immer noch Lebensgefahr

05.08.2019, Großbritannien, Whaley Bridge: Rohre leiten Wasser aus dem Toddbrook Reservoir in der Nähe des Dorfes Whaley Bridge in Nordengland ab, nachdem der Damm des Reservoirs bei starken Regenfällen beschädigt wurde. Foto: Danny Lawson/PA Wire/dp
Können riesige Pumpen den Dammbruch im Norden Englands verrhindern?
dpa, Danny Lawson

Im Kampf gegen den drohenden Dammbruch in Nordengland hat sich die Lage etwas entspannt - Lebensgefahr besteht aber immer noch. Die Einsatzkräfte profitierten vom Wetter, das besser als vorausgesagt war. Die für Sonntag angekündigten schweren Gewitter blieben aus. Erst in der Nacht zum Montag regnete es leicht. Mehr als 20 Hochleistungspumpen arbeiten in einem Wettlauf gegen Zeit und Wetter, um den Wasserstand im Toddbrook Reservoir um insgesamt acht Meter zu senken. Am Montag war etwa die Hälfte des Ziels erreicht. Wenn das Reservoir nur noch zu einem Viertel gefüllt ist, dürfen die Einwohner nach einem BBC-Bericht wieder in ihre Häuser.

Mehr als 1.500 Menschen sind in Sicherheit gebracht worden - Damm wird rund um die Uhr mit Laser überwacht

Mehr als 1.500 Einwohner des Städtchens Whaley Bridge südöstlich von Manchester waren in den vergangenen Tagen in Sicherheit gebracht worden. Weitere 55 Häuser mussten angesichts der schlechten Wetterprognose noch am Samstagabend evakuiert werden. Sollte der Damm brechen, würden vermutlich große Teile des Ortes zerstört werden.

Feuerwehrchef Terry McDermott berichtete, dass Experten mit Hilfe von Lasern den beschädigten Damm rund um die Uhr überwachen. Dabei seien bislang keine bedeutenden Abweichungen festgestellt worden. Dennoch ist weiterhin große Vorsicht geboten. Unverständnis äußerte die Polizei für etwa zwei Dutzend Menschen, die alle Warnungen in den Wind schrieben und sich am Montagnachmittag weiter in ihren Häusern aufhielten.

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"Wie eine Geisterstadt"

Um Plünderungen im 6.500-Einwohner-Städtchen zu verhindern, setzt die Polizei auch eine Drohne ein. Alle Betroffenen durften zunächst für kurze Zeit Haustiere, Medikamente und andere persönliche Gegenstände aus den Gebäuden holen. Am Sonntag wurde aber auch dies angesichts der Lebensgefahr verboten.

Zur Hilfe kam den Einsatzkräften die Royal Air Force: Ein "Chinook"-Lasten-Hubschrauber warf Hunderte Säcke mit einer Mischung aus Sand, Kies und Schotter ab, um die Mauer des Reservoirs zu stabilisieren und an anderer Stelle Wasserläufe umzuleiten. "Ich lebe hier schon seit 45 Jahren, aber so etwas habe ich noch nie gesehen. Dass wir so in Gefahr geraten könnten, habe ich auch nicht gedacht", sagte eine Frau der Nachrichtenagentur PA. Teile des Ortes seien "wie eine Geisterstadt", berichtete ein Einheimischer der BBC. Viel mehr als zu warten und zu hoffen, blieb den Einwohnern nach der Evakuierung nicht. Die meisten von ihnen waren in Notunterkünften oder bei Verwandten und Freunden untergekommen. In der Umgebung wurden auch mehrere Straßen und Bahnstrecken gesperrt.

1,3 Millionen Tonnen Wasser könnten in den Ort fließen

Einsatzkräfte versuchten, auch die Struktur des beschädigten Bauwerks aus dem 19. Jahrhundert zu stützen. In der Grafschaft Derbyshire hatte es in den Tagen zuvor ungewöhnlich stark geregnet. Binnen 48 Stunden gab es so viel Niederschlag wie sonst in eineinhalb Monaten. Für den Fall des Dammbruchs wurden Rettungsboote bereitgestellt.

Der Pegelstand des Flusses River Goyt könne schnell steigen, sollte Wasser aus dem Staudamm austreten, teilte die Umweltbehörde mit. Experten befürchteten, dass ein beschädigter Überlauf endgültig einbrechen und "massive Überflutungen" auslösen könne. Immerhin enthalte das um 1830 gebaute Reservoir normalerweise rund 1,3 Millionen Tonnen Wasser. Die jährliche Inspektion fand nach Angaben der Binnenwasser-Verwaltung im November statt.