Startschuss für Google Street View

Mit 'Google Street View' ist die Reise nach Berlin, Dresden, Nürnberg oder Wuppertal eine Sache von wenigen Sekunden.
Mit 'Google Street View' ist die Reise nach Berlin, Dresden, Nürnberg oder Wuppertal eine Sache von wenigen Sekunden.
© dpa, Google Streetview

19. November 2010 - 15:36 Uhr

244.000 Haushalte verwehren Einblicke

Der umstrittene Online-Straßenatlas 'Google Street View' ist in Deutschland gestartet. In der Nacht zu Donnerstag schaltete der Internet-Konzern die Panorama-Ansichten für Berlin, Bielefeld, Bochum, Bonn, Bremen, Dortmund, Dresden, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Frankfurt/Main, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Mannheim, München, Nürnberg, Stuttgart und Wuppertal frei.

Anders als in anderen Ländern war Street View in Deutschland auf heftigen Widerstand von Politikern und Datenschützern gestoßen. Unter anderem kritisierte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) den Dienst als Eingriff in die Privatsphäre. Die Folge des Protests sind nun jede Menge verschwommen dargestellte Gebäude. Mehr als 244.000 Haushalte hatten beantragt, ihre Wohnhäuser auf den Straßen-Aufnahmen unkenntlich zu machen. Dabei galt: Auch wenn nur ein Mieter die 'Verpixelung' beantragt, musste das ganze Haus unkenntlich gemacht werden.

Datenschützer sprechen von bundesweit mehr als einer Million Haushalten, wenn der bisherige Anteil der Widersprüche auf das ganze Land hochgerechnet werde. Google betont allerdings, dass dies lediglich knapp drei Prozent der betroffenen Haushalte seien. Gleichzeitig verspricht das Unternehmen, dass Widersprüche gegen Street View auch nach dem Start des Dienstes möglich seien. Gesichter und Autokennzeichen werden automatisch unkenntlich gemacht.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Google

Anfang November hatte Google bereits einen ersten kleinen Vorgeschmack auf seine Neuheit gegeben: Der Internet-Riese stellte Panorama-Bilder von bekannten Sehenswürdigkeiten aus fünf Städten ins Netz und ermöglichte virtuelle Rundgänge durch zehn Fußballstadien sowie die Gemeinde Oberstaufen im Allgäu. Dabei kam es zu einer kleineren Panne: Das iPhone gewährte bei einigen Blickwinkeln die Sicht auf Gebäude, die auf Wunsch von Mietern oder Eigentümern unkenntlich gemacht werden sollten. Für solche Fälle gibt es auf den Bildern den Link "Ein Problem melden".

Google wies in diesem Zusammenhang auf die Schwierigkeit hin, dass jedes Haus auf mehreren Bildern verwischt werden müsse. Nach früheren Angaben stellte der Konzern dafür extra 200 Mitarbeiter ein.

Unmut hatte Google bereits ausgelöst, als Kamerawagen bei ihren Fahrten Daten aus unverschlüsselten WLAN-Netzen mitschnitten. Das Unternehmen sprach von einem Software-Fehler, der über Jahre nicht entdeckt worden wäre. Die Daten seien nie ausgewertet worden. Nach Erkenntnissen aus anderen Ländern wurden zum Teil auch ganze E-Mails sowie Internet-Adressen und Passwörter gespeichert. In Deutschland beschäftigen sich Datenschutz-Behörden und Staatsanwaltschaft mit dem Vorwurf.