Entschuldigungsbrief an die Polizei

Hier belagern Schüler die Polizeiwache in Starnberg, um einen Mitschüler zu befreien

29. Juli 2019 - 10:42 Uhr

Video: Aufgebrachte Schüler vor Polizeiwache in Starnberg

In Starnberg (27 Kilometer südlich von München) versuchten rund 50 Schüler, gewaltsam eine Polizeiwache zu stürmen und einen Mitschüler zu befreien. Ein Security-Mitarbeiter rief die Polizei, weil ein Jugendlicher auf einem Schulfest randalierte. Als die Beamten den 15-Jährigen in Gewahrsam nehmen wollten, eskalierte die Lage. Nun haben sich die Schüler des Gymnasiums in einem Brief an die Polizei entschuldigt. "Die Geschehnisse waren aus unserer Sichtweise unreif und inakzeptabel", heißt es darin.

Polizei versteht nicht, warum die Situation so eskalierte

Auf einem Handyvideo ist zu sehen, wie eine Gruppe Schüler aufgebracht hinter den Beamten herläuft, die einen Jugendlichen abführen. Die Stimmung ist aufgebracht. "Sowas ist nicht Alltag", sagte Polizeisprecher Hans-Peter Kammerer im RTL-Interview. "Es gab überhaupt keinen Grund, sich den polizeilichen Maßnahmen zu widersetzen."

Der Jugendliche hatte auf dem Sommerfest des Gymnasiums laut Polizei für Ärger gesorgt. Ein Sicherheitsmann, der den 15-Jährgen nicht mehr in den Griff bekam, bat die Polizei um Hilfe. Der Jugendliche habe ihn unter anderem nach Drogen gefragt.

15-Jähriger pöbelte auf dem Sommerfest

Schüler wollen Polizeiwache stürmen
Rund 50 Schüler wollten diese Polizeiwache in Starnberg stürmen.
© dpa, Marc Müller, mum tmk cul

"Auch die Polizeistreife traf auf einen extrem aggressiven Jugendlichen", erklärte der Polizeisprecher. Die Beamten hätten den Teenager gebeten, das Fest zu verlassen. Als der den Platzverweis mehrfach ignorierte und weiter herumpöbelte, hätten die Beamten keine andere Wahl gehabt, als den Jugendlichen in Gewahrsam zu nehmen.

Als die Polizisten den 15-Jährigen mitnehmen wollten, solidarisierten sich plötzlich mehrere andere Schüler mit ihm. "Nur weil er schwarz ist", rufen die Schüler auf dem Handyvideo. "Er hat gar nichts gemacht!"

50 Schüler versuchten, mit Gewalt in das Gebäude zu stürmen

Eine Gruppe von 100 Schülern habe um das Polizeigebäude herumgestanden, berichtet Kammerer. Etwa die Hälfte davon sei gewalttätig geworden und habe versucht, in das Gebäude einzudringen. Die Schüler rissen laut dem Polizeisprecher an der Tür, beschädigten das Polizeischild und warfen mit Steinen und Flaschen.

Dafür entschuldigten sich Schüler des Starnberger Gymnasiums nun stellvertretend. "Unsere Schulgemeinschaft wollte eine friedliches Beisammensein feiern, um das Schuljahr ausklingen zu lassen", schrieben die Schüler. "Die Tatsache, dass die Situation eskaliert ist, tut uns sehr leid." Die Schüler hoffen nun, dass ihr Schulfest und die Schulatmosphäre nicht in Gefahr sind.

Zwei Verdächtige vorübergehend festgenommen

Randale in Starnberg
Die aufgebrachten Jugendlichen warfen mit Steinen und Flaschen auf das Gebäude - Fenster gingen zu Bruch.
© dpa, Sina Schuldt, ssd bsc

Erst als Verstärkung aus den umliegenden Polizeidienststellen anrückte, beruhigte sich die Lage in Starnberg langsam wieder. Rund 70 Beamte waren im Einsatz. Ein 15-Jähriger und ein 19-Jähriger wurden festgenommen. Ihnen wird versuchte Gefangenenbefreiung und versuchte gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Die Polizei ermittelt außerdem noch wegen Landfriedensbruches und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte gegen weitere Schüler.

"Ihnen wird vorgeworfen: eine Gefangenenbefreiung, auch ein tätlicher Angriff, ein Fußtritt auf den Kopf eines der Beamten", sagte Kammerer. Nachdem ihre Personalien aufgenommen worden waren und sie eine Blutprobe abgegeben hatten, durften sie aber wieder gehen. Der Jugendliche, der die ganze Aufregung ausgelöst hatte, kam ins Krankenhaus, weil er plötzlich über Kopfschmerzen klagte. Ein Alkohol- und Drogenschnelltest sei positiv ausgefallen, so die Polizei.