Stanislaw Petrow rettete die Welt vor einem Atomkrieg

Stanislaw Petrow wurde am 24.02.2012 im Kongresszentrum Baden-Baden mit dem Deutschen Medienpreis 2011 ausgezeichnet.
© dpa, Uli Deck

17. November 2012 - 9:31 Uhr

"Ich wollte nicht schuld sein am Dritten Weltkrieg"

Ohne ihn hätte die Welt ein Inferno erlebt: Stanislaw Petrow verhinderte im Alleingang, dass die Erde in eine Katastrophe unabsehbaren Ausmaßes schlittert. Der Offizier saß 1983 vor dem sowjetischen Raketen-Frühwarnsystem, als ein Spionagesatellit über dem US-Bundesstaat Montana die Startblitze von fünf US-Atomraketen meldete.

Petrow vertraute seinem Gefühl, missachtete die Vorschriften und drückte nicht auf den roten Knopf - die sowjetischen Atomraketen für den mutmaßlichen Gegenschlag blieben am Boden. Petrow meldete dem Generalstab Fehlalarm, obwohl zu diesem Zeitpunkt nicht feststand, ob es sich um Irrtum oder Ernstfall handelte. "Ich wollte nicht schuld sein am Dritten Weltkrieg", begründete er seine Entscheidung.

Nie sei die Welt einem Atomkrieg näher gewesen als während der Kubakrise, heißt es oft. Das ist zumindest zweifelhaft: Hätte Petrow so gehandelt, wie es die Pläne vorsahen, wäre es unweigerlich passiert. "Ich stand unter Schock. Das war nicht weit bis zur Panik", erinnerte sich Petrow später.

Erst Tage nach dem Vorfall stellte sich heraus, dass die Software des Spionagesatelliten fehlerhaft war. Für seinen Mut erhält der frühere Offizier der Sowjetarmee den Dresden-Preis 2013 der Organisation 'Friends of Dresden'. Die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 17. Februar in der Semperoper verliehen.

Niemals sei die Welt der atomaren Vernichtung näher gewesen als in jener Nacht, sagte US-Abrüstungsexperte Bruce Blair einmal. Die Geschichte Petrows kam aber erst zehn Jahre nach dem Vorfall ans Licht. Er erhielt in New York den 'World Citizens Award' und wurde gefeiert als "Held, der die Welt rettete", so heißt es in einer Belobigung der 'Friends of Dresden'. Als "leiser Friedensstifter" ist der 1939 geborene Petrow schon geehrt worden - im vergangenen Jahr in Baden-Baden mit dem Deutschen Medienpreis.

"Er entschied nicht als Offizier, sondern als Mensch"

"Der Dresden-Preis wird verliehen für Konflikt- und Gewaltprävention", sagte Günter Blobel, Präsident der Friends of Dresden. Petrow sei damals einem Weltkrieg zuvorgekommen - und "Politikern, die vielleicht oder sogar wahrscheinlich anders entschieden hätten". Er habe nicht als Offizier entschieden, sondern als Mensch.

Der Dresden-Preis in Erinnerung an das Schicksal der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Stadt wird von der Klaus Tschira Stiftung (Heidelberg) und den Friends of Dresden verliehen. Die erste Auszeichnung bekam 2010 der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow - für sein Engagement im Dienste der atomaren Abrüstung in den 80er Jahren.

Im Jahr darauf erhielt Dirigent Daniel Barenboim den Preis wegen seines Einsatzes für einen Dialog im Nahen Osten. Im Februar 2012 war Kriegsfotograf James Nachtwey Preisträger.