Stalking: Wenn der Ex-Freund zum Feind wird – Opfer Michelle (28) verzweifelt

19. August 2016 - 16:29 Uhr

Er hat ihren Ruf geschädigt, indem er sie auf Flyern als Hure beworben hat

Er terrorisiert sie, er schädigt ihren Ruf, er lässt sie wie eine Hure dastehen. Und trotzdem ist die Polizei machtlos. Und das, obwohl ihr Ex-Freud Flyer mit ihrem Namen, ihrer Adresse und Telefonnummer verteilt und darauf in ihrem Namen perverse sexuelle Dienste angepriesen hat. Welchen psychischen Stress die alleinerziehende Mutter ertragen muss, ist für Außenstehende nur schwer nachzuvollziehen. Und doch merkt man, wie sehr die 28 Jahre alte Michelle unter den Anfeindungen ihres Freundes zu leiden hat.

Doch die Schuld des Täters sei zu gering, sagt die Staatsanwaltschaft. Im Klartext: Solange Stalkingopfern wie Michelle kein körperlicher Schaden zugefügt wird, kann nicht gegen den Täter ermittelt werden. Das liegt unter anderem auch daran, dass die Straftat des Stalkings gesetzlich noch zu lasch geregelt ist.

Bisher war es so, dass die "Lebensgestaltung (des Opfers, Anm. d. Red.) schwerwiegend beeinträchtigt" sein muss, damit die Behörden einschreiten können. Das ist etwa der Fall, wenn der einzige Ausweg aus dem jahrelangen Psychoterror ein Umzug ist.

Neues Anti-Stalking-Gesetz soll die Verfolgung der Täter erleichtern

Opfer Michelle bekommt Droh-SMS
Stalking per SMS: Michelle ist es passiert

Zwar hat die Bundesregierung bereits ein neues Anti-Stalking-Gesetz verabschiedet, doch bis es in Kraft tritt, müssen die Opfer jahrelangen Psychoterrors anders damit umgehen.

Empfohlen wird zum Beispiel, mit dem Fall an die Öffentlichkeit zu gehen. Die erhöhte Aufmerksamkeit soll den Täter abschrecken.

Für Michelle kommt die Gesetzesänderung zu spät. Sie leidet extrem unter der psychischen Belastung. Hinzu kommt der Frust, den sie immer wieder erleben musste, als sie selbst mit zwölf Anzeigen nichts bewegen konnte. Es scheint ein aussichtsloser Kampf dieser willensstarken jungen Frau zu sein. Doch sie gibt nicht auf. Mit ihrem Schritt an die Öffentlichkeit hat sie bereits einen Großteil ihrer Freiheit wiedererlangt.