Ständig blinkt das Smartphone – rund 100.000 Kinder und Jugendliche sind süchtig nach sozialen Netzwerken

01. März 2018 - 20:09 Uhr

Viele verbringen mehr als drei Stunden täglich mit sozialen Netzwerken

Wenn Jugendliche ihr Handy kaum noch aus der Hand legen, treiben sie damit nicht nur ihre Eltern und Lehrer zur Weißglut. Einige Teenager schlittern unbemerkt in eine Sucht. Wie dramatisch die Lage ist, zeigt nun eine Studie der Krankenkasse DAK. Die Forscher gehen davon aus, dass in Deutschland rund 100.000 Kinder und Jugendliche von sozialen Medien abhängig sind.

Smartphone-Konsum bei Kinder und Jugendlichen: "Die Ergebnisse sind alarmierend"

"Die Ergebnisse sind alarmierend", meint DAK-Vorstandschef Andreas Storm. Für die Studie wurden 1.001 Mädchen und Jungen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren zu ihrem Smartphone-Konsum befragt. 2,6 Prozent der Studienteilnehmer zeigten ein Suchtverhalten, erklärten die Forscher. Die Mehrheit der Befragten (85 Prozent) ist jeden Tag rund drei Stunden online, manche sogar noch länger. Am häufigsten nutzen die Befragten Whatsapp (66 Prozent), vor Instagram (14 Prozent), Snapchat (9 Prozent) und Facebook (2 Prozent).

Auch für Erwachsene sind soziale Netzwerke durchaus verlockend – sie haben wahrscheinlich nur weniger Zeit dafür. Ab 30 Jahren gehe der Suchtfaktor für Whatsapp oder andere soziale Medien zurück, erklärten die Wissenschaftler.

Ab wann ist jemand süchtig nach Whatsapp, Facebook, Instagram und Co.?

Nicht alle Kinder und Jugendliche, die ständig mit ihrem Handy herumspielen, sind süchtig nach sozialen Netzwerken. Die Forscher sprechen erst von Sucht, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind. Wer zum Beispiel im Alltag ständig an Messenger-Dienste denkt, selbst wenn er sie gerade nicht benutzt, oder wer unruhig und gereizt wird, wenn das Handy nicht in der Nähe ist, kann unter einer Sucht leiden.

Auch wenn Teenager anfangen zu lügen, damit andere nicht merken, wie viel Zeit sie mit ihrem Handy verbringen, oder wenn sie andere Interessen und Hobbys aufgeben, um mehr Zeit zum Chatten zu haben, können das Warnsignale sein, dass sie die Kontrolle über die Nutzung sozialer Netzwerke verloren haben.

Welche Folgen hat die Social-Media-Sucht?

Social-Media-Sucht bei Kindern und Jugendlichen
Tausende Jugendliche in Deutschland sind süchtig nach sozialen Netzwerken. (Foto: Motivbild)
© dpa, Ingo Wagner

Weil die Jugendlichen immer mehr Zeit in ihre virtuellen Bekanntschaften investieren, riskieren sie Freundschaften im echten Leben. Auch die Schulnoten können absacken, weil sie die Betroffenen lieber mit den neuen Nachrichten auf ihrem Handy als mit dem Unterrichtsstoff beschäftigen. Wenn ständig eine neue Nachricht auf dem Display aufleuchtet, wird der Gedankenfluss zum Beispiel bei den Hausaufgaben immer wieder unterbrochen.

Sechs Prozent der befragten Jugendlichen gaben in der DAK-Studie außerdem an, wegen ihrer Handynutzung häufig Streit mit den Eltern zu haben. 17 Prozent der Teenager gaben an, manchmal zu wenig zu schlafen, weil sie soziale Medien auch nachts nutzen. Sechs Prozent der 12- bis 17-Jährigen gaben sogar an, regelmäßig länger wach zu sein, um weiter zu chatten.

Wer Social-Media-süchtig ist, neigt auch zu Depressionen

Die Forscher kamen außerdem zu einem weiteren besorgniserregenden Ergebnis: Rund acht Prozent der Teenager, die sich an der Studie beteiligt haben, zeigten depressive Neigungen. Unter den Smartphone-Süchtigen waren es besonders viele. Jeder dritte Teenager mit depressiver Stimmung hatte auch Probleme, seinen Social-Media-Konsum zu kontrollieren. Ob Smartphone-Konsum depressiv macht oder ob umgekehrt depressive Teenager eher zu Social-Media-Sucht neigen, konnten die Forscher nicht sagen.

Was können Eltern tun?

"Soziale Netzwerke sind nicht allein Teufelszeug", stellt Rainer Thomasius, Ärztlicher Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters, klar. Sie seien nützlich für die Identitätsentwicklung junger Menschen, wichtig auch für das Erproben von Kommunikation und Beziehungsgestaltung. "Problematisch wird es, wenn die Balance zwischen der realen und digitalen Welt aus den Fugen gerät", sagte DAK-Vorstandschef Andreas Storm. Es liegt darum an den Eltern, ihren Kindern einen vernünftigen Umgang mit sozialen Netzwerken beizubringen.