Angestellter (47) der Stadt Köln muss Geld bei brutalem Bürger eintreiben - und wird erstochen

Warum waren die Stadt-Angestellten ohne Polizeischutz unterwegs?

13. Dezember 2019 - 18:51 Uhr

Köln-Dünnwald: Mann ersticht Stadt-Mitarbeiter (47)

Kurt B. sollte mit seiner Kollegin Geld im Auftrag der Stadt Köln eintreiben. Sein Job kostete den 47 Jahre alten städtischen Angestellten am Freitag das Leben. In dem Haus ging der 60-jährige Bewohner mit einem Messer auf die Mitarbeiter der Kölner Stadtkämmerei los und verletzte den 47-Jährigen tödlich. Seine Kollegin (57) kam mit einem Schock ins Krankenhaus. Der Tod des Mannes so kurz vor Weihnachten wirft viele Fragen auf. Nachbarn berichten, dass der Messerstecher von Köln als gewalttätig bekannt sei. Die Polizei hat das inzwischen bestätigt.

Der Messerstecher hatte schon einmal Mitarbeiter der Stadt angegriffen

13.12.2019, Nordrhein-Westfalen, Köln: Ein Polizist der Spurensicherung betritt ein Haus. Hier soll ein Mann zwei Mitarbeiter der Stadt Köln bei einem Hausbesuch mit einem Messer angegriffen und einen von ihnen tödlich verletzt haben. Der mutmaßliche
Hausbewohner tötet Stadt-Mitarbeiter mit Messer.
© dpa, Marius Becker, mb axs

Die Polizei geht nach bisherigem Ermittlungsstand davon aus, dass der Messerstecher an einer schweren psychischen Erkrankung leidet und zum Zeitpunkt der Tat schuldunfähig war. Der 60-Jährige soll in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen werden.

Bereits im März dieses Jahres soll der Mann aus Köln-Dünnwald schon einmal Mitarbeiter der Stadt angegriffen haben -  mit einem Schraubendreher. Eine städtische Mitarbeiterin war dabei leicht verletzt worden. Damals war die Polizei von Anfang an dabei und konnte Schlimmeres verhindern. Der Mann kam sogar in die Psychiatrie - und dann offensichtlich wieder frei.

Warum war keine Polizei vor Ort?

Die tödliche Attacke von Köln wirft vor allem eine Frage auf: Warum waren beim Einsatz der unbewaffneten städtischen Mitarbeiter am Freitag keine Polizisten dabei? Die Stadt Köln sagt auf Anfrage von RTL, dass Vollstreckungsbeamte nach Durchsicht der Akten selbst entscheiden, ob sie von der Polizei begleitet werden wollen, oder nicht. Laut Polizei lag kein solches Amtshilfegesuch der Stadt Köln vor. Warum, bleibt unklar. Weitere Nachfragen beantwortet die Stadt Köln mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht.

Messerattacke in Köln-Dünnwald: Die Chronologie

Um 10:45 klingeln der städtische Angestellte und seine Kollegin an der Adresse im Stadtteil Dünnwald. Es soll zu einer Auseinandersetzung gekommen sein. Dann zieht der Hausbewohner ein Messer und sticht auf den städtischen Mitarbeiter (47) ein. Der Mann bricht blutüberströmt zusammen. Seine Kollegin rettet sich und holt Hilfe. Notarzt und Polizei rasen zum Einsatzort. Der Arzt stellte lebensgefährliche Stichverletzungen bei dem Stadt-Mitarbeiter fest und beginnt mit der Reanimation. Jedoch vergeblich, denn der 47-jährige Mann stirbt am Tatort.

Die Polizei nimmt den Messerstecher fest

Polizisten überwältigen den Täter und nehmen ihn fest. Er wird jetzt verhört. Die Staatsanwaltschaft Köln will beim Amtsgericht Köln die einstweilige Unterbringung des Beschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus beantragen.

Oberbürgermeisterin von Köln Henriette Reker tief betroffen

ARCHIV - 08.02.2017, Nordrhein-Westfalen, Köln: Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) blickt bei einer Pressekonferenz in die Runde. (zu "Polizeischutz gegen Rechts - für zweite Reihe «nicht machbar»") Foto: Marius Becker/dpa +++
Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker reagiert geschockt auf den tödlichen Angriff. Sie selbst war im Wahlkampf 2016 niedergestochen worden.
© dpa, Marius Becker, mb pil htf

Die Oberbürgermeisterin von Köln, Henriette Reker, reagierte tief betroffen. In einem Statement der Stadt heißt es: "Die Verrohung unserer Gesellschaft scheint keine Grenzen mehr zu kennen. Es macht sich Entsetzen breit angesichts einer solchen Tat. Als Stadt werden wir alles dafür tun, dass sich unsere Mitarbeitenden noch sicherer fühlen können – daher werden wir uns gründlich anschauen, was wir noch mehr tun können, auch wenn wir wissen, dass es eine absolute Sicherheit nie geben wird." Henriette Reker war während des Wahlkampfes um das Oberbürgermeisteramt selbst von einem Messerstecher angegriffen worden. Sie wurde 2015 schwer verletzt.