App soll Menschen bei Diskriminierungserfahrungen unterstützen

Stadt Berlin: Was bringt die neue "Antidiskriminierungs-App"?

30. Oktober 2020 - 16:41 Uhr

Von Niklas Hons

Es war einer der schrecklichsten Momente in diesem Jahr: Ein Polizist in Minneapolis, USA kniet auf dem Hals von dem schwarzen George Floyd. Dieser fleht: "I can't breathe!" – übersetzt: "Ich bekomme keine Luft." Er stirbt. Die Proteste gegen Rassismus verbreiten sich daraufhin in den USA – und auch in Deutschland gehen Tausende unter dem Motto "Black lives matter" auf die Straße. Die Frage, die immer wieder aufkommt: Wie viel Rassismus und Diskriminierung steckt noch in unserer Gesellschaft?

Im Kampf gegen Diskriminierung hat die Stadt Berlin hat nun eine App herausgebracht, mit der Menschen Diskriminierungserfahrungen melden können. Die Berliner "Landesstelle für Gleichbehandlung" will Diskriminierte damit unterstützen und ihnen unkompliziert Beratungsangebote vermitteln. Die Stadt Berlin hat die App vorgestellt. Wir haben nachgefragt und geprüft, was die App kann.

"Besser als eine Website oder eine Broschüre"

AnDi-App: Die "Landesstelle für Gleichberechtigung - gegen Diskriminierung" in Berlin hat ihre neue App gegen Diskriminierung vorgestellt.
AnDi-App: Die "Landesstelle für Gleichberechtigung - gegen Diskriminierung" in Berlin hat ihre neue App gegen Diskriminierung vorgestellt.
© Screenshot - AnDi-App

"Hi, ich bin AnDi! Gegen Diskriminierung. Für Gleichbehandlung in Berlin" – so begrüßt die App die Benutzer in einem virtuellen Chat. Darunter stehen mehrere Felder zur Auswahl: Betroffene können sich allgemein über Diskriminierung informieren, einen Fall melden, oder eine Beratungsstelle suchen.

Aber wieso braucht es dafür eine App? Aus Sicht von Eren Ünsal, der Leiterin der "Landesstelle für Gleichberechtigung – gegen Diskriminierung" sei es wichtig, dass Menschen direkt nachdem sie diskriminiert wurden, schon darauf reagieren können: "Diskriminierung wirkt sich unmittelbar aus. Menschen, die diskriminiert wurden, brauchen direkt ein Tool, um sich schnell in dem Augenblick zu informieren – das kann eine App sehr viel besser, als eine Website oder eine Broschüre."

Kritik: Betroffene wurden zu wenig eingebunden

Betroffene können direkt ihr Diskriminierungserlebnis schildern und nach Hilfe suchen.
Betroffene können direkt ihr Diskriminierungserlebnis schildern und nach Hilfe suchen.
© Screenshot (AnDi-App)

Die App hat dabei zwei verschiedene Grundfunktionen:

  1. Nutzer können Diskriminierungen melden – dabei können auch Menschen einen Fall melden, die nicht direkt betroffen waren und die Herabsetzung nur beobachtet haben. Diese Fälle werden dann in den Meldestellen registriert und anonym ausgewertet. "Wir können Diskriminierung nur wirksam bekämpfen, wenn wir auch von ihr erfahren", sagt der Berliner Senator für Antidiskriminierung, Dirk Behrendt (Grüne). Deshalb sei es wichtig, dass Diskriminierungsfälle auch gemeldet werden würden.
  2. Mit der zweiten Funktion können Nutzer Beratungsangebote suchen. Die App soll dann eine Stelle vermitteln, die am besten zur Situation der diskriminierten Person passt.

Damit möglichst viele Menschen die App nutzen können und einen Zugang zum Thema bekommen, sind die Infos in leichter Sprache formuliert. Außerdem funktioniert die App in insgesamt sieben verschiedenen Sprachen. "Diskriminierung erleben häufig die Menschen, die nicht so gut deutsch sprechen, noch nicht so lange in Deutschland sind, oder bestimmte Einschränkungen haben", sagt Ünsal. Deshalb bräuchten genau diese Menschen, die sich in den Strukturen hier noch nicht so gut auskennen würden, Unterstützung.

Trotzdem kommt auch Kritik zu dem Projekt: Betroffene seien bei der Entwicklung der App zu wenig einbezogen worden:

Bisher wenig Downloads

Seit etwas mehr als einer Woche steht die App nun zum Download bereit. "Wir bewerben die App momentan flächendeckend – zum Beispiel an U-Bahnhöfen und an Littfaßsäulen", sagt Behrendt. Bisher läuft die Kampagne noch mit mäßigem Erfolg:

Laut dem Google "Play Store" wurde die App bisher etwas mehr als 100 mal heruntergeladen. Und selbst wenn die App in den nächsten Wochen noch stärker angenommen werden sollte, werden dadurch sicher nicht alle Diskriminierungsprobleme gelöst. Aber die App kann Personen, die diskriminiert wurden, unterstützen.

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