Kein Versehen: Es geht um viel Geld

Stadt baut Mauer quer durch Straße

18. September 2020 - 20:54 Uhr

Die Mauer sperrt den Verkehr - aber spart der Kommune Geld

Es klingt wie ein Schildbürgerstreich - ist aber Realität. Die Stadt Amberg in der bayerischen Oberpfalz will eine Mauer bauen. Das Verrückte ist: diese Mauer würde quer über eine Straße führen und damit ein Durchkommen für den Autoverkehr unmöglich machen. Doch ohne diese Mauer würde die Stadt auf den Kosten für die Sanierung der Straße sitzen bleiben!

Anwohner sind erbost - dabei sollte ihre Straße breiter werden

Noch haben die Autos in der beschaulichen Dostlerstraße freie Fahrt und auch die Anwohner können sich zum Pläuschchen treffen. Noch, denn schon bald soll eine Mauer die Dostlerstraße teilen. Die Anwohnerin Renate Reindl-Postler kann sich wie viele ihrer Nachbarn nur darüber aufregen: "Wir sind alle erbost. Wir finden das ganz furchtbar, denn die Mauer hat ja wahnsinnige Konsequenzen für uns."

Und alles nur, weil die Stadt Amberg vor Jahren beschlossen hatte, die enge Dostlerstraße zu erschließen und zu verbreitern. Dafür traten die Anwohner Teile ihrer Grundstücke an die Stadt ab. 2017 rollten dann die Bagger an, alles ging erstmal gut. Doch eine einzige Anwohnerin hatte sich der Baumaßnahme verweigert. Der Bau stoppte und der Ärger begann.

Eine Mauer, zwei Sackgassen - Für die Stadtkasse die einzige Lösung

Denn die Stadtverwaltung will das ausgegebene Geld für den Ausbau der Straße jetzt bei den Anwohnern eintreiben. Es geht um rund 225.000 Euro. Doch da ist die Gesetzeslage in Bayern eindeutig: Kosten erstatten lassen ist erst möglich, wenn das Straßenbauprojekt komplett abgeschlossen ist. Derzeit säumen noch Absperrbaken und Sandhaufen die Dostlerstraße an mehreren Stellen, wo der Asphalt aufgerissen wurde.

Deshalb hat sich die Stadt einen Kniff überlegt. Sie will eine Mauer quer über die Straße bauen. Denn dann wäre das Projekt beendet, und die Stadt könnte sich das Geld von den Anwohnern holen.

Die Mauer würde nämlich aus einer Straße zwei Sackgassen machen - und somit wäre dann zumindest das nachträglich dafür erfundene Projekt Dostlerstraße 1 beendet. Mit dem Bau des Teilprojekts Dostlerstraße 2 könnte man anschließend warten - die Mauer gibt es gratis dazu.

Bürgermeister: "Für uns wäre es auch schöner, wenn die Straße durchgängig befahrbar wäre."

Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny (CSU) wirbt um Verständnis für die Entscheidung der Kommune: "Wir haben jetzt eine Situation, mit der die Anwohner unzufrieden sind, und auch für uns ist es keine echte Lösung. Letztlich wäre es für uns auch schöner, wenn die Straße durchgängig befahrbar wäre."

Aber mit dem Mauerbau würde zumindest das Loch in der Stadtkasse gestopft. Und die Anwohner müssten sich eben ein bisschen arrangieren. Für Renate Reindl-Postler ist das nur schwer vorstellbar: "Das ist für uns ein Unding. Dann kann hier kein Notarzt schnell rein. Der muss rückwärts rein oder raus. Der Krankenwagen muss vorher dran denken, dass man bei uns hier nur noch rückwärts reinfahren kann."

Aber immerhin: Die Straßenbauarbeiten wären dann erst einmal abgeschlossen.

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