Polizist erschoss Asylbewerber (19)

Hantel-Attacke in Stade: Nachbarin hörte vier Schüsse

22. August 2019 - 10:43 Uhr

Stade: Asylbewerber nach Hantel-Attacke erschossen - Zahl der Schüsse aus Dienstwaffe unklar

Die Staatsanwaltschaft Stade prüft die Umstände des Todes eines Asylbewerbers: Der 19-Jährige aus Afganistan hatte Polizeibeamte während eines Einsatzes mit einer Hantelstange aus Eisen attackiert. Nach mehreren Versuchen, den jungen Mann zu überwältigen, schoss ein Polizist mit seiner Dienstwaffe auf den Flüchtling. Der Beamte ist inzwischen nicht mehr im Dienst. Nun untersucht die Staatsanwaltschaft, wie viele Schüsse auf den Mann abgegeben wurden. Eine Nachbarin erklärte gegenüber dem NDR, sie habe nicht nur einen, sondern vier Schüsse gehört. Wie die Staatsanwaltschaft die Tat einschätzt, zeigen wir im Video.

Stade: Asylbewerber erschossen - Vorfall in Flüchtlingsunterkunft wird untersucht

Die Beamten leiteten routinemäßig ein Ermittlungsverfahren wegen Totschlags ein. "Wir werden ein besonderes Augenmerk darauf richten, ob der Polizeibeamte in Notwehr gehandelt hat", erklärt Kai Thomas Breas von der Staatsanwaltschaft Stade in unserem Video. Die Polizeiinspektion Cuxhaven hat die Ermittlungen in dem Fall übernommen. Die Ermittler versiegelten den Tatort und sicherten Spuren.

Asylbewerber in Stade erschossen: Getöteter war der Polizei bekannt

Das Opfer war kein unbeschriebenes Blatt. Deshalb wurden auch gleich zwei Streifenwagen zum Ort des Geschehens geschickt, als die Ruhestörung am Samstagabend gemeldet wurde. So war der 19-jährige Afghane unter anderem schon einmal mit einem Messer bewaffnet in der Stader Innenstadt aufgegriffen worden. Auch fiel er wegen kleinerer Sachbeschädigungen auf und stand kurzzeitig wegen Nachstellung vor Gericht - der Prozess wurde aber eingestellt. Außerdem soll der Mann am Tag vor den tödlichen Schüssen bereits mit der Hantelstange durch die Gegend gelaufen sein.

Erst in mehreren Wochen rechnet die Staatsanwaltschaft Stade mit den Ergebnissen der Ermittlungen: Die Kollegen des Polizeibeamten, fünf weitere Bewohner der Flüchtlingsunterkunft und die Nachbarn sollen als Zeugen vernommen werden.