Steinmeier in Athen: Griechenland fordert Kriegsentschädigung - und wird sie nicht bekommen

Alexis Tsipras, griechischer Regierungschef, und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier trafen sich bereits 2017 in Athen.
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12. Oktober 2018 - 10:56 Uhr

Bundespräsident Steinmeier auf Staatsbesuch in Griechenland

Die griechische Regierung forderte Deutschland (erneut) auf, Reparationszahlungen zu leisten. Als Kriegsentschädigung für die deutsche Besatzung während des Zweiten Weltkriegs soll die Bundesregierung eine Summe zwischen 269 und 332 Milliarden Euro zahlen. Immer wieder kommt diese Forderung auf, wenn es um die deutsch-griechischen Beziehungen geht - die wegen der Euro-Krise zuletzt angeschlagen waren.

Von Laura Waßermann

Steinmeier als Botschafter für eine bessere Beziehung

Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier legt anlässlich seines Antrittsbesuches und Treffen mit dem griechischen Staatspräsidenten Prokopis Pavlopoulos und dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras am 07. April 2017 einen Kranz
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier legt anlässlich seines Antrittsbesuches im April 2017 einen Kranz vor dem Grabmal des Unbekannten Soldaten in Athen nieder.
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Jetzt reist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu einem offiziellen Staatsbesuch nach Athen - für Griechenland eine willkommene Gelegenheit, den Finger in die Wunde zu legen. Es ist bereits die zweite Griechenland-Reise in seiner kurzen Amtszeit. Damit wollen Steinmeier und die Bundesregierung ein Zeichen setzen - für eine engere, bessere Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern.

Kernthemen dieses Besuchs sollen die Folgen der Euro-Krise sein genauso wie die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland und das griechisch-türkische Verhältnis. Steinmeier will sich unter anderem mit Ministerpräsident Alexis Tsipras und Außenminister Nikos Kotzias treffen.

Am Donnerstagmorgen geht es aber zunächst nach Chaidari. Dort gab es während des Zweiten Weltkriegs ein Konzentrationslager, wo in der Zeit der deutschen Besatzung Juden und griechische Kommunisten festgehalten wurden. Ein symbolträchtiger Besuch mit aktueller Bedeutung. Schließlich hatte die griechische Regierung angekündigt, Steinmeier einen Bericht mit Zahlungsforderung für genau diese Besatzung zu überreichen. 

"Wo kämen wir hin, wenn jedes Land auf Reparationen pochen würde?"

Das Thema Reparationen - eine Bezeichnung für Schadensersatz für Kriegsschäden - belastet das deutsch-griechische Verhältnis seit langem. Laut offiziellen Angaben der Griechen starben durch die Nazi-Besatzung rund 300.000 Menschen. Das erklärt die hohe Forderung, die Deutschland durch ein Abkommen von 1960 rechtlich abgegolten sieht. Sigrid Skarpelis-Sperk ist Präsidentin der Vereinigung der Deutsch-Griechischen Gesellschaften und unterstützt die Haltung der Bundesregierung - zumindest teilweise.

"Ich verstehe, dass die Wunden der Nachkriegsgeschichte tief sitzen und auch die griechische Säuernis. Die Besetzung war brutal", sagte Skarpelis-Sperk im Gespräch mit RTL.de. Nach 70 Jahren könne man Probleme jedoch nicht mehr mit Reparationen lösen. "Wo kämen wir denn hin, wenn jedes Land auf die Idee käme, dass Kriegsverbrechen nicht verjähren?"

Die 73-Jährige findet stattdessen, dass die Bundesregierung während der Euro-Krise nicht so hart mit Griechenland hätte umgehen müssen. "Man hätte ein anständigeres Verfahren entwickeln können für die Schuldenrückzahlungen." Dann wären die Fronten jetzt nicht so verhärtet auch bezüglich der Reparationsforderungen.

Als Zeichen des Entgegenkommens: Zukunftsfonds und Jugendwerk

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Während der Euro-Krise richtete sich die Wut vieler Griechen auf Deutschland und seine Politiker.

In der Euro-Krise konnte Griechenland auf zwei finanzielle "Rettungsschirme" zurückgreifen - unter der Bedingung einer strengen Steuerreform zum Beispiel. "Anstatt mit Geld um uns zu werfen, müssen wir aus den Fehlern lernen und Friedenspolitik machen, wo es nur geht", fügt Sigrid Skarpelis-Sperk hinzu.

Im Jahr 2014 wurde ein deutsch-griechischer Zukunftsfonds und ein gemeinsames Jugendwerk der beiden Länder beschlossen. Letzteres soll laut Skarpelis-Sperk in dieser Woche starten. Das sei ihrer Meinung nach sehr wichtig, da "in Großstädten wie Athen ein massive anti-Deutschland-Haltung herrscht - unter anderem angeheizt durch die griechische Presse." Menschen, die in Deutschland gearbeitet oder gelebt haben, würden da jedoch positiver denken.

Steinmeier und Außenminister Kotzias haben zusammen studiert

Bewegung soll in die Sache der Reparationszahlungen zwar nicht kommen. Das soll den Besuch von Frank-Walter Steinmeier aber nicht überschatten. Er und der griechische Außenminister sind enge Freunde und haben zusammen studiert. "Unser Bundespräsident wird keine Probleme bekommen, sowas steckt er weg", sagte die Griechenland-Expertin Skarpelis-Sperk abschließend.